13.05.2001: FC St.Pauli – Hannover 96 2:2

13. Mai 2001 | Von | Kategorie: Berichte

Ähm, ja, also, tja?
Eigentlich erwartet Ihr jetzt wohl einen Spielbericht oder sowas?


Aber ich habe heute überhaupt keine Lust, einen zu schreiben. Vielleicht mag jemand von Euch….? Tut mir und anderen doch den Gefallen, und liefert Euren Spielbericht hier ab- jeder wird veröffentlicht (wie auch sonst alles hier veröffentlicht wird, was einigermassen zum Thema passt)! Gerne gesehen sind natürlich auch Saisonfazits und änliches…
Wäre toll, wenn mal jemand anders was schreiben mag, und ich hier nicht den Vorleser vor den Passiv- Konsumenten machen muss.
Ich weiss nicht so recht, ob ich mich freuen soll, dass die sich bei der Hitze in der 2. Hälfte nochmal aufgerafft haben, oder ob ich fluchen soll, weil einige Leute in der ersten Halbzeit krasse Fehler gemacht haben. Schreibt Euren Spielbericht doch selbst! Für´n vernünftigen Bericht gibts auch nen Bier, versprochen. Mag selbst echt nichts schreiben, aber möchte später. wenn ich drüber hinweg bin, doch ganz gerne was zum nachlesen haben… Ich geh jetzt pennen. [Fotos vom Hannoverspiel und vorm Docks]
Den Fussballpiraten wurde auf dem Bahnhof in Hannover mehrfach von Hannoveranern das anzünden angedroht. Interessant, was deren Fans unter „Bunt statt Braun“ verstehen, mit der sie ihre Choreografie beim Einlaufen betitelt hatten.

Ein Kommentar
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  1. OK, mit einem Spielbericht kann ich dienen. Hier mein recht persönlicher Bericht, der auch auf meiner HP zu finden ist:

    Hochmut kommt vor dem Fall

    Die alte Weisheit, daß man umso tiefer fallen kann, je höher man
    sich wähnt – sie ist wohl jedem bekannt. Vielleicht haben die
    Verantwortlichen beim FC St. Pauli nie eine Schwäche für Redensarten gehabt, vielleicht
    war just die Seite mit diesem sehr wahren Sprichwort herausgerissen.

    Wer eine Stadionzeitung ergattern konnte, mußte sich davor in acht
    nehmen, keine schmutzigen Finger zu bekommen. Die pauli triefte
    nur so vor Optimismus. Auf der Titelseite war ein entspannt lächelnder
    Thomas Meggle abgebildet, der lässig vor dem St.Pauli-Stadtteilschild
    sitzt. Darüber stand geschrieben: „Ausgeruht in Liga eins“. Und etwas
    kleiner unter dieser Zeile: „Nach sechs Jahren wieder aufm Balkon“. In
    der Zeitung fanden sich verschiedene Kleinstinterviews, die – in Anspielung
    an den letzten Aufstieg des Kiezklubs – eine Frage gemein hatten: „Wo
    waren Sie am 18. 06. 1995?“ Und im Statistikteil stand unter der Rubrik
    „Nächstes Spiel“: Heute gegen Hannover, danach nie mehr 2. Liga.

    Man war sich só sicher …

    Und nun sehen wir uns wieder eines besseren belehrt. Ausgeruht in Liga eins?
    Von wegen! Nach sechs Jahren wieder aufm Balkon? Von wegen! Nie mehr zweite Liga?
    Von wegen! Wir müssen bis zum letzten Spieltag zittern. Es wurde nichts
    aus der geplanten Aufstiegsparty auf dem Kiez. Es hätte alles so
    wunderbar sein können … bei einem Sieg wäre St. Pauli tatsächlich
    durch gewesen.

    Statt dessen gab es nur ein 2:2-Unentschieden, das einmal mehr offenbarte,
    daß der Kiezmannschaft in den entscheidenden Momenten die Nerven
    versagen. Dabei erinnerte vieles an das denkwürdige Spiel gegen
    Osnabrück. So hatten die 96er Fans – wie einst die VfLer – keine
    bessere Idee, als sich auf einem Transparent über die Vereinsfarben
    des FC auszulassen: Bunt statt Braun war darauf zu lesen.

    Das Stadion war erneut ausverkauft, und auch der Spielverlauf erinnerte
    in beschämender Weise an das letzte Nordderby. Die Abwehr war zweimal überfordert.
    Heinz Weber leistete sich in der 14. Minute einen groben Schnitzer, als
    er einen Rückpaß annahm und gegen einen Hannoveraner verstolperte –
    dieser tickte den Ball nur kurz an, und die Kugel rollte ins Tor. 0:1!
    Kaum zu glauben, aber wahr.

    Eine Viertelstunde später erlaubte sich Markus Ahlf einen katastrophalen
    Querpaß. Ein „Roter“ springt dazwischen, steht auf einmal völlig
    allein vorm Pauli-Tor und hat keine Mühe, zum 0:2 einzuschieben.

    Kurz vor der Pause wurde St. Pauli von den Hannoveranern ein weiteres Mal
    gedemütigt, als die Gäste den Ball drei Minuten lang munter einander zuspielten
    und die Braun-Weißen das Leder nicht erobern konnten. Es war fast wie ein Trainingsspiel.

    Zur Halbzeit schaltete ich mein Radio ein, das ich eigens für dieses Spiel mitgenommen hatte.
    So wußte ich, wie es auf den anderen Plätzen stand: Fürth lag 0:2 gegen
    Gladbach zurück, Mannheim hatte in Oberhausen bislang ein 1:1 erreicht, ebenso wie
    Ahlen in Mainz. Keine schlechten Voraussetzungen also … alle Aufstiegskonkurrenten
    spielten für Pauli, aber Pauli spielte noch nicht für sich selbst.

    In der zweiten Halbzeit trat der Starclub wesentlich engagierter auf
    und erspielte sich ein deutliches Chancenplus. Hannover wurde regelrecht
    eingeschnürt in seine Hälfte. Logische Konsequenz waren der Anschlußtreffer
    kurz nach der Pause durch Stanislawski und eine sehr gute Möglichkeit für Trulsen,
    die der starke Gästetorwart Sievers jedoch vereiteln konnte.

    Mittlerweile hatte Fürth ausgeglichen, aber in Oberhausen und in Mainz stand es immer
    noch unentschieden. Pauli immer noch 1:2 hinten. Aber dann! Klasnic erzielt in der 82. Minute
    den vielumjubelten Ausgleichstreffer.

    Bange Minuten. Nur noch einmal ins Tor treffen! Dann wäre der Aufstieg vielleicht perfekt.
    Kurz vor Schluß nochmal das Radio anschalten. Schlußphase auf den anderen
    Plätzen. Fürth nur 2:2. Ahlen ebenfalls. Aber: Mannheim gewinnt 2:1 in Oberhausen.
    So ein Mist … und wenig später ist auch am Millerntor Schluß. Endstand 2:2.

    Der Stadionsprecher ist mit den Nerven am Ende, als er die Endresultate der anderen Begegnungen
    durchgibt, und schließt mit dem Satz: „Mit diesen Ergebnissen laß ich euch jetzt
    erstmal alleine.“ Später verliest er den neuen Tabellenstand: Pauli immer noch Dritter.
    Aber nur noch einen Punkt vor den Mannheimern, die ein Heimspiel haben. Und Pauli muß nach
    Nürnberg … aber er muntert das Publikum auf: „Da holen wir einen Auswärtssieg!“

    Danach gingen wir zum Spielbudenplatz zur großen Saisonabschlußparty, die eigentlich
    eine Aufstiegsparty hätte sein sollen. Die Damen hinter den Bierständen trugen T-Shirts,
    auf denen stand: „St. Pauli’s coming home“. „Home“? Also in die Bundesliga? Noch nicht. Eine Weile
    danach traf der Mannschaftsbus ein, und die Spieler betraten den Balkon des Docks. Die Fans
    jubelten und verlangten lauthals einen Auswärtssieg, den Trainer Demuth über seine
    Flüstertüte versprach.

    Tja … ich bin immer noch ein wenig durcheinander und außerordentlich
    aufgeregt. Lange habe ich gebraucht, um diesen Artikel zu schreiben. Es ist jetzt Sonntag, der 20. Mai,
    und es ist halb zwei Uhr nachmittags. In einer halben Stunde werde ich zum Heiligengeistfeld fahren.
    Dort wird das Spiel in Nürnberg übertragen. Wie wird es enden? Werden wir, die Paulianer,
    am Ende jubeln oder total frustriert nach Hause gehen? Wer steigt auf – Mannheim, Fürth oder
    am Ende doch St. Pauli? Die Mannschaft zeigte sich gegen Hannover nicht gerade von ihrer besten Seite.
    Individuelle Fehler bestimmten das Geschehen in der ersten Halbzeit, in der zweiten Halbzeit brachte
    ein leidenschaftlicher Kampf immerhin noch ein Unentschieden.

    Lassen wir uns überraschen. Vielleicht war es ja ganz gut, daß die Entscheidung über
    den Aufstieg erst am letzten Spieltag stattfindet. Denn so wurde jedem Fan auf der Abschlußparty
    noch einmal deutlich, daß der Aufstieg tatsächlich eine Sensation wäre. Eine tolle Saison,
    die auf dem Heiligengeistfeld gefeiert wurde, könnte einen formidablen Abschluß finden …

    Als ich am Abend über das Heiligengeistfeld nach Hause radelte, kam hinter mir ein Auto, das ganz
    langsam fuhr. Ich fuhr auch extra langsam, um den Wagen an mir vorbeiziehen zu lassen. Endlich fuhr der
    Mercedes an mir vorbei, am Steuer saß mit offenem Fenster … Dietmar Demuth! Ich erkannte den Trainer aber zu spät,
    um ihm irgendetwas sagen zu können. Ich hätte mich auf jeden Fall für das bisher Erreichte
    bedankt.

    All die Sorgen, all der Frust – das ist ja nun erst mal vorbei!!! Hurra!!!

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