Weitwurfübungen am Millerntor- Emotion oder Verbrechen?

11. Oktober 2001 | Von | Kategorie: Offizielles

So oder ähnlich verlaufen Diskussionen, wenn es darum geht, dass jemand aus dem Stadion geworfen wurde, weil er einen Bierbecher, ein Feuerzeug oder ähnliches in den Innenraum geworfen hat (das Werfen von Mobiltelefonen beschränkt sich zur Zeit ja noch auf Holland und die Geschichte mit dem Moped war in Italien…).


Konkret aufgezogen an den Vorfällen während der 2. Halbzeit des Heimspiels gegen Dortmund: Gasttrainer Sammer ist vom Schiri der Bank verwiesen worden (auch noch zu Unrecht, wie eigentlich jeder sehen konnte) und ging mit Ordnerbegleitung die Gegengerade längs Richtung Spielertunnel.

Aus der Gegengeraden fliegen mal wieder ohne Ende Becher etc. Zum Glück wurde Sammer nicht getroffen. Es konnte aber zumindest einer der Werfer zweifelsfrei ausfindig gemacht werden. Dieser wurde dann aus dem Zuschauerbereich geholt und erhielt ein aufs Millerntor beschränktes Stadionverbot bis Ende des Jahres. (nur nebenbei bemerkt: nach den einschlägigen Bestimmungen der Liga hätte es auch ein wesentlich längeres und bundesweit geltendes Stadionverbot sowie ein Vereinsausschlussverfahren werden können, der ist nämlich auch noch Vereinsmitglied. Auch nebenbei bemerkt: Es traf auch noch einen Rollstuhlfahrer (!!), der meinte, einem Dortmunder Spieler aus nächster Nähe ein Bier ins Gesicht schütten zu müssen. Man fasst es nicht.)

Nun gut: In der Vergangenheit ist schon oft an die Vernunft der Fans apelliert worden, dieses Werfen zu unterlassen, da dies den Verein in größte Schwierigkeiten bringen kann und auch schon hat.
Folgendes Szenario: Wir führen gegen Dortmund, Sammer wird getroffen, macht einen auf sterbenden Schwan und fällt für den Rest des Spiels aus. Dortmund legt gegen die Wertung des Spiels Protest ein, wir verlieren drei Punkte, die uns am Ende für den Klassenerhalt fehlen. Und dann?

Nee, Leute, dafür steht zuviel auf dem Spiel und da die oben erwähnten Bitten ja offensichtlich nichts nützen (und das Werfen von Sachen ja sogar von einigen noch gutgeheissen oder zumindest verharmlost wird), musste da was passieren.

Sollte auch das keine Besserung bringen wird der nächste Schritt ein Netz vor der Gegengeraden sein (müssen), denn wir als Verein haben eine Fürsorgepflicht gegenüber allen Beteiligten an der Veranstaltung und haben für deren uneingeschränkte Sicherheit zu sorgen.
Ganz davon abgesehen ist das Verfassen von Stellungnahmen an den DFB bzw. die Liga GmbH, wenn mal wieder was geworfen wurde (und nach den Vorfällen bei den Auswärtsspielen in Mainz und Aachen stehen wir sicherlich unter besonderer Beobachtung) nicht sehr angenehm. OK, soweit dazu.

Wir stehen natürlich auch weiterhin allen Diskussionen offen gegenüber, aber der früher so oft gepriesene Effekt der „sozialen Kontrolle“ scheint Schaden genommen zu haben.
Sven Brux, FC St. Pauli, 11.10.01

2 Kommentare
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  1. Natürlich sind es Emotionen und sonst nichts weiter. Wir sind keine „Golfballwerfer“ sondern hautnah erleben wollende zwölfte Spieler des Vereins. Panikmache und Imageverlust-Befürchtungen sind , meiner Meinung nach, unangebracht und übertrieben.

  2. @RSL:

    Nee, Leute, dafür steht zuviel auf dem Spiel und da die oben erwähnten Bitten ja offensichtlich nichts nützen (und das Werfen von Sachen ja sogar von einigen noch gutgeheissen oder zumindest verharmlost wird), musste da was passieren

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