16.02.2002: St.Pauli – Bayer Leverkusen 2:2

16. Februar 2002 | Von | Kategorie: Berichte

Meistermacher, die 2. Ihr werdet nie deutscher Meister, nie deutscher Meister, ihr werdet nie deutscher Meister- nie deutscher Meister!
Und kommendes Wochenende dann gegen Gladbach punkten, am 3.3. werden dann dem 3. Meisterschaftsanwärter die Punkte geklaut und wir sind nicht mehr auf einem Abstiegsplatz, wo wir seit Beginn der Rückrunde eh nicht mehr hingehören. 🙂 Der Weltpokalsiegerbesieger wird zum Meisterschaftsaspirantenpunkteklauer…

Schade. Die Vorzeichen vor diesem Spiel waren wirklich wunderbar. Schon wieder die Chance, einen Meisterschaftskandidaten zu schlagen und ihn in die Krise der scampimanmpfenden Millionäre zu kicken und dem gegnerischen Offiziellen schlaflose Nächte zu bescheren, wurde diese Chance dann doch nur zum Teil genutzt.

Zwar gelang es kurz vor dem Abpfiff noch den 2:2- Ausgleichstreffer durch einen zugegebenermassen glücklichen Elfmeter gegen die Werkskicker aus dem Bayerwerk zu erzielen, aber letztlich war das für eine Wiederholung des legendüären Bayernsieges doch ein klein bischen zu wenig.

Foul Bayer ist eben doch nicht Bayern, und im Gegensatz zu dem Team mit dem „n“ am Ende waren diese Kicker doch noch zu einer gewissen Gegenwehr in der Lage. So hielten sie bereits in der ersten Halbzeit kräftig dagegen, und es gelang unseren Braun- Weißen Kämpfern nicht immer, da entsprechend gegenzuhalten.
Man kann gar nicht mal unbedingt sagen, dass sie schlecht gespielt hätten- im Gegenteil, das war nicht der Fall. Es schien mir jedoch so, dass teilweise das letzte bischen Einsatzwillen dann aber eben doch gefehlt hat, zumindest bei einigen Spielern. Wenn man sieht, dass der Mitspieler, der 5 Meter neben einem steht, den Ball an einen Gegner verliert, und beim Versuch, diesen zu verfolgen ausrutscht und hinfällt, in so einem Moment dann selbst einfach stehenzubleiben und dem aufs eigene Tor zustürmenden gegnerischen Spieler einfach hinterherzusehen, spricht in meinen Augen nicht gerade für einen grenzenlosen Einsatzwillen. Eher dafür, dass man meint, dass man die Bayern geschlagen hat, und nun selbstverständlich wie von selbst auch gegen Leverkusen gewinnen wird und sich dafür dann nicht mehr besonders anzustrengen braucht. Nunja, welchen Spieler ich da jetzt im Kopf habe, dürfte eh bekannt sein?

Nicht besonders überzeugt hat mich auch Bulat. Ich weiss nicht, wieso er das noch immer nicht kann, aber wenn es ein Spieler in einem halben Jahr nicht lernt, eine Flanke auch mal festzuhalten, und nicht nur immer irgendwohin zu boxen, möglichst einem Spieler der Leverkusener am Elfmeterpunkt direkt auf den Fuss, dann sollte man es vielleicht doch mal mit unserem dritten Keeper probieren. Besonders sicherheitseinflössend wirkte Bulat sicherlich nicht auf die eigenen Abwehrspieler.

Und dann dieser Schiedsrichter namens Jansen- da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Der hat ja gar nicht mal unbedingt gegen uns gepfiffen, sondern einfach nur völlig schlecht. Der brachte eine dermassene Unruhe ins Spiel, dass er anschliessend mit der von ihm selbst geschaffenen Unruhe nicht mehr klarkam. 😉 Hampelt da zigfach vor den Trainerbänken herum, regt sich theatralisch auf, diskutiert wild mit den Armen wedelnd mit seinen an der Seite stehenden Assistenten über seine Entscheidungsfindungen- ja, glaubt der Mensch denn wirklich, damit noch einen Rest von Respekt ihm gegenüber aufrecht zu erhalten zu können? Diese Witzfigur nahm dann nichtmal mehr Demuth ernst- der sollte Mitte der zweiten Halbzeit auf die Tribüne geschickt werden, hat aber den vor ihn rumhalmpelnden Pfeifenmann schlichtweg ignoriert und ist- stoisch an ihn vorbeiblickend- einfach vor der Trainerbank stehengeblieben- einfach köstlich, einfach eine geile Aktion.
Noch ein kurzes Wort an die Leute, die sich darüber aufregen, dass er jeden Bierbecherwurf aufs Spielfeld auf seinen Spielberichtsbogen notiert hat: Diese Leute sollten sich mal stattdessen besser fragen, wieso es selbst dann noch Leute fertigbringen, einen Bierbecher aufs Feld zu schmeissen, wenn der Schiri kurz zuvor von der Mittellinie aus zur Ecke Bierbecher Nordkurve/ Haupttribüne gestratzt ist, um einen dort auf dem Rasen liegenden Bierbecher unter die Lupe zu nehmen, ihn zu vermessen und zu wiegen und das Ergebnis dann im Spielberichtsbogen zu notieren. Wenn danach dann noch immer Leute meinen, ihren Bierbecher in Richtung Spielfeld schleudern zu müssen, sind sie offenbar nicht mehr lernfähig, sondern werden halt zukünftig nur noch auf zweierlei Möglichkeiten zur Fassung zu bringen sein: Durch ein Fangnetz direkt über ihren Köpfen (damit sie die Folgen ihres Wurfes am eigenen Kopfe spüren- und nicht alles einfach am Spielfeldrand auf die im Innenraum befindlichen Personen herunterprasselt), oder zum anderen durch das Filmen dieser Personen und Dingfestmachen respektive haftbarmachen (eintreiben der vom Verein zu bezahlenden Geldstrafe!). Offenkundig handelt es sich hierbei im übrigen um eine konzentrierte Aktion, denn auch in anderen Stadien wurde dieses Wochenende vermehrt auf Flugobjekte geachtet. Es war also keineswegs etwas ungewöhnliches, was der Herr Wichtigtuer da getan hat, einzig an der Durchführung und seiner Aussenwirkung sollte der Schiri nochmal ein klein wenig arbeiten…
Aber insbesondere die Auswärtsfahrt zu Schalke 04 haben recht eindrucksvoll untermauert, dass die Fanszene des FC St.Pauli nicht mehr so idyllisch ist, wie sie von einigen Menschen noch immer versucht wird darzustellen. Da liegt einiges im Argen, und wenn da der Verein nicht langsam mal durchgreift (indem halt die Videoüberwachung, die im Stadion eh jeden Winkel auskundschaftet, eingeschaltet wird), sehe ich bei uns bald italienische Verhältnisse mit von der tribüne fliegenden Motorrollern. Das mag für einige jetzt völlig übertrieben wirken, auf mich hätte der Vorfall mit der Bodenklappe im Sonderentlastungszug nach Schalke vor dem Geschehen aber auch völlig an den Haaren herangezogen gewirkt. Mir macht die Entwicklung in der Fanszene Angst.

Gut, kommen wir noch kurz auf ein anderes Thema: Den Dicken aus Leverkusen. Was der sich nach dem Spiel für Kommentare in Richtung des Schiedsrichters erlaubt hat, geht auf keine Kuhhaut mehr [2 Euro ins Phrasenschweinchen, pling]. Da wettert der gegen den Schiri, weil der kurz vor dem Abpfiff auf Elfmeter entschieden hat- ungeachtet dessen, ob das nun einer war oder nicht (in der Woche vorher auf Schalke war es ja auch einer für Schalke, gegen uns, der entstand genauso), ist es alles andere als tolerierbar, wenn sich dieser Herr Callmund noch mehr Volumen verschafft und sich aufplustert, als sei er der Gott persönlich. Da ist mir ein gewisser Bayer (ohne „n“) doch wesentlich lieber, der sein eigenes Team zusammenstaucht. „Wieso haben wir gegen den Tabellenvorletzten nicht schon viel eher alles klargemacht?“ wäre also die naheliegende Reaktion auf das 2:2 von Leverkusen, nicht „Das ist eine Sauerei, solch einen Elfmeter pfeift man nicht.“ Soso, das tut man also nicht. In Schalke hat sich auch niemand über einen gleichartig entstandenen Elfmeter mokiert. Es zeichnet einen Meisterschaftskandidaten eben auch aus, wie er sich gegen einen drohenden Punktverlust zur Wehr setzt- entweder er schiesst selbst genügend Tore, oder er darf sich wenigstens nicht darüber beschweren, wenn das dann eben andere tun. :o)
Bayer verlegte sich darauf, es mit der Torverhinderungstaktik zu probieren- und ging damit baden. Meisterschaftskandidaten versuchen es üblicherweise damit, das Spiel durch eigene Tore für sich zu entscheiden. Und ihr werdet nie deutscher Meister, nie deutscher Meister, ihr werdet nie deutscher Meister…

Hm, merkt hier eigentlich jemand, dass diese Profilingmassnahme beim Arbeitsamt recht langweilig und zäh verläuft? Ich könnte noch stundenlang an diesem Bericht weiterschreiben, um die Zeit totzuschlagen… Ersdatzweise könnte ich aber auch stundenlang über die Beantwortung so spannender Selbstfindungsfragen wie „Ich kann mir sehr gut vorstellen, …an einer Börse zu arbeiten, …in einer Scheidungssache zu moderieren, …mich für die Entwicklungshilfe im Ausland zu engagieren“ mit einer Ziffernreihe von 1-5 zu versehen, wobei Ziffer 1 für „keine Zustimmung“, Ziffer 2 für „eher geringe Zustimmung“, Ziffer 3 für „mittlere Zustimmung“, Ziffer 4 für „sehr große Zustimmung“ oder Ziffer 5 für „sehr starke Zustimmung“ steht, nunja. Oder ich werde doch Geburtshelfer…

Nunja, bleiben wir also einfach beim Leverkusenspiel…
Ich könnte beispielsweise noch erwähnen, dass bei diesem Spiel jemand ein Problem damit hatte, seine Digitalkamera mit ins Stadion zu bekommen, was ich bei uns noch nie gehört habe. Angeblicher Grund: Mit dieser Digicam können Bewegtbilder aufgenommen werden. Tolles Feature… Können das nicht annähernd alle Digitalkameras? Wird es also zukünftig nur noch möglich sein, analoge Fotoapperate mit ins Stadion zu nehmen? Und dann eine Woche später die Fotos eingescannt ins Netz zu transferieren? Da verliert sich ein wenig der Sinn eines Spielberichts, wenn die dazugehörenden Fotos dann erst nach dem darauf folgenden Spiel vorrätig sind… Vielleicht darf man dann sogar nur noch mit Einwegkameras fotografieren, weil in Analogknipsen ja noch Batterien sind, mit denen man bestimmt auch gut schmeissen kann? Andererseits besitzen Einwegknipsen ja die unschöne Eigenschaft, nur miese Fotos zu produzieren- und dann vor allem, relativ preiswert zu sein- ein potentielles Wurfmittel…
Ich hoffe, das mit der Digicam basiert nur auf einen miesgelaunten Ordner, und wird jetzt nicht zur gängigen Praxis- zumahl ich bisher auch nur in einem einzigen Stadion Probleme damit hatte, meine Digicam ganz offen mit in jenes zu nehmen- und das war nicht bei unserem Verein (welchen, sage ich jetzt aber mal nicht, kann man ja in der Fotogalerie nachvollziehen- bisher war ich bei jedem Spiel, ausgenommen Freiburg und Darmstadt…).

Die Stimmung…
Support Einige sind ja der Aufassung, die sei so mies wie lange nicht mehr. Das kann ich irgendwie nicht nachvollziehen- bis zum Stand von 1:2 empfand ich die eigentlich als recht normal. Nach dem 1:2 war allerdings tatsächlich Totentanz angesagt, was aber sicherlich auch mit der Art und Weise, wie dieses Tor fiel, zusammenhing. Einfach grausig, ein von Stani abgefälschter Kullerball lies Bulat nicht mehr den Hauch einer Chance, das Ding kullerte einfach rechts neben ihn ins Tor und schon stands 1:2 für Leverkusen… in einer Phase, wo zumindest ich eher mit einen Treffer von St.Pauli gerechnet hatte. Es war so depremierend, da mochte man halt nicht mehr singen…. scheiss drauf, 3 Punkte gegen Bayern und einer gegen Leverkusen sind genug, um dann in zwei Wochen auch noch den nächsten Meisterschaftskandidaten in Dortmund ein wenig nerven zu können!

Ein Kommentar
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  1. Wahre Worte! :-)))

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