Nachbetrachtungen zum Chemnitzspiel

3. April 2006 | Von | Kategorie: Kolumne

Untenstehendes ist eigentlich eine Antwort auf ein Posting in der Newsgroup de.rec.sport.fussball, daher vielleicht hier auf der Seite ein wenig seltsam zu lesen (einfach weil hier mehr Background über den FC St. Pauli vorhanden ist), aber einige der Chemnitzer Forenpostings sind wirklich nur noch als eigenwillig zu bezeichnen…

St.Pauli-Fans
Autor: schönauer (—.dip0.t-ipconnect.de)
Datum: 01.04.06, 21:22

sind doch sooo friedliche, nette und tolerante Leute…
Ohne hier auch nur irgendwelche politischen Sachen reinzubringen: Es ist nicht das erste Mal, dass Gästefans dort erhebliche Probleme bekommen. Irgendwie scheinen die sich für den Fussballmittelpunkt der Welt zu halten.

Ganz groses Kino.
Die Chemnitzer waren übrigens die ersten Gästefans seit über 10 Jahren, die man nach dem Spiel nicht aus dem Stadion gelassen hat.
Üblicherweise findet bei uns nämlich eine Fantrennung nicht statt, was hier schon öfter zu erstaunlichen Nachfragen geführt hat, warum man einerseits überall als Gästefan solange im Stadion bleiben müsse, bis die Heimfans abgezogen seien, und bei uns die Gästefans immer direkt nach Spielschluss über die Reeperbahn ziehen dürfen.
Es hiess immer, man könne Gästefans bei uns nicht im Stadion festhalten, das würden die baulichen Gegebenheiten nicht hergeben, und es sei zudem auch gar nicht so gewollt, denn man wolle sich hier als weltoffene Stadt präsentieren, weil eben ein nicht unerheblicher Teil der Gästefans eben auch wegen Reeperbahn und so kommen würde, und einen entsprechenden Besuch könne oder wolle man ihnen nicht verwehren.

So gesehen haben die Chemnitzer gleich zwei historische Sachen geschafft, nämlich im Stadion festgehalten zu werden, und ein ganzes Spiel über ihre menscenverachtende Idiologie ausleben zu dürfen.

Insofern ist das angesprochene „Ohne hier auch nur irgendwelche politischen Sachen reinzubringen“ natürlich der blanke Hohn, denn es kriegen eigentlich nur ganz bestimmte Gästefans am Millerntor überhaupt Probleme, und in der Form, wie das bei Chemnitz jetzt geschah, gabs das in den letzten 10 Jahren nicht mehr. Wobei es auch seit 10 Jahren nicht mehr solche Provokationen seitens der Gästefans gab, an das übliche „Zick-Zack-Zigeunerpack“, „Scheiss St.Pauli“- und „Eine U-Bahn bauen wir…“ seitens einiger Gästeanhänger hat man sich ja schon gewöhnt, das bedingt ja nun eigentlich keine nennenswerten Reaktionen mehr, jedenfalls keine in welcher Form auch immer spürbaren.
Es wird schon seine Gründe haben, dass selbst die eher gesetzten Herrschaften auf der Haupttribüne (inklusive Kuchenblock aka VIPs) ein „Nazis raus“ in Richtung Gästeblock schreien, das habe ich in der Stärke auch seit Jahren so nicht mehr vernommen. Üblicherweise kommt vielleicht noch ein „Ihr seid doof“ oder sowas.
Und bei einer derartig eindeutigen Positionierung des weit überwiegenden Teils des Gästeblocks braucht man sich dann auch wirklich nicht zu wundern, wenn man dann Probleme bekommt, wenn man das Stadion verlassen möchte. Eigentlich könnten die Chemnitzer froh sein, dass man sie zunächst daran gehindert hat.
Eine Toleranz gegenüber Faschismus gibt es hier nicht, und darf es hier auch zukünftig nicht geben.

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2 Kommentare
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  1. Nochmal St. Pauli – Chemnitz…

    Der Chemnitzer FC beschäftigt eine Fanbeauftragte. Hört hört. Wie sie nun ausgerechnet auf die Peggy kommen, ist mir ein Rätsel. In meiner Vorstellung sieht sie so aus:

    Das ist natürlich Unsinn, weil Peggy “sogar” in der SPD ist, aber……

  2. felix luz ist die geilste sau auf erden

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