Punkt beim VfL Osnabrück

6. Mai 2007 | Von | Kategorie: Berichte

Ein weiterer Punkt für unser großes Ziel wurde geholt. Jo, letztlich muss man wohl mit dem einen Punkt zufrieden sein, auch wenn ich den werten Herrn Lechner, der sich vermutlich wegen Meckerns eine Rote abgeholt hat dafür immernoch liebend gerne ins Gesicht schreien würde, wie selten dämlich die Aktion war. Schon zu dem Zeitpunkt stand das Spiel merklich auf der Kippe und die Osnasen waren einem Tor deutlich näher wie wir und sich in der Situation auch noch selbst das Leben zu erschweren muss irgendwie nicht sein – das der Schiedsrichter im Zweifel gegen uns pfiff war zu dem Zeitpunkt doch bereits klar gewesen.

Insofern konnte ich nach dem Auswärtspunkt nicht drüber klatschen, wenngleich es dann wohl die optimale Ausbeute des tatsächlich Möglichen war. Aber eigentlich wars zuwenig, man tritt ein bischen auf der Stelle und lässt die Verfolger an sich ranrücken, schonmal ein bischen am Aufstieg schnuppern… Hallo Magdeburg, hallo Dresden, wir waschen uns nie, St.Pauli! …

Aber der Tag fing auch alles andere als optimal an. Schön verpennt, auf den letzten Drücker aufgewacht, schnell angezogen und dabei schon den sprichwörtlich an die Haltestelle ranfahrenden Bus gesehen, war das auch das, was ich dann kurz vor der Haltestelle erblicken durfte. Kleinen Zwischenspurt eingelegt war dann auch die Müdigkeit verflogen, man erblickte den ersten Gleichgesinnten, traf sich ein paar Stationen später mit weiteren, und kaum dass das geschehen war sah man, wie sich die Gruppe derer auch bereits wieder um einen dezimierte, der bei der Konfrontation zwischen Fußgänger und Auto als Verlierer liegenblieb. Große Kacke, flaues Gefühl im Magen und nun endgültig hellwach und mit einer eigenartigen Stimmung ausgestattet ging es dann über Holstenstrasse zum Bahnhof Altona, wo sich mit dem Rest der Freaks getroffen wurde. Schnell eingestiegen, nächster Halt dann Bremen oder so, jedenfalls kam es mir so vor, so gedankenversunken wie ich war…

Überhaupt – Freaks – das Wort beschreibt meine weitere Hinfahrt dann eigentlich doch recht perfekt. Da ich irgendwann dann doch wieder etwas müder wurde (schon scheiße, wenn man vor Spielen aufregungsbedingt nie vor 5 Uhr morgens einschlafen kann, dann ist ein um 6 losplärrender Wecker tödlich…), zog ich mich in ein vermeintlich ruhigeres Abteil zurück. Da ich denjenigen, bei dem ich mich ins Ticket eingebucht hatte dann in Bremen ohnehin nicht mehr wiederfand, spielte das dann auch keine grosse Rolle mehr – die Fahrkartenkontrolle gab sich mit einem „Höh? Meine Fahrkarte läuft grade irgendwo durch den Zug“ zufrieden.
Anfangs war das „ruhigere Abteil“ auch relativ ruhig, bis unsere Freunde des Apfelkorns die Liebe zu ihrem Getränk neu wiederentdeckten („Eigentlich trinken wir sowas ja nicht am frühen Morgen, aber den kriegen wir ja nicht mit ins Stadion, lass also mal vorher leeren…“), ahja – wohl auch versehentlich gekauft, wollte man ja eigentlich gar nicht, der stand aber halt neben der Selter, was?
Die Gespräche zwischen den Gestalten waren dann im Folgenden einfach nur unangenehm, man konnte nur peinlich berührt den schlafenden mimen – jedenfalls erging es so dem nüchternen Teil des Abteils.
Stellt euch einfach Fußballprolls vor, dann habt ihr nen Foto von denen im Kopf, das dann schon einigermassen passend ist. Beispiel gefällig? Handyanruf, erste Frage, ob denn die Olle schon wundgefickt sei? Im folgenden durfte ich dann die stolz vorgetragenen Geschichten über deren Gliedlängen („Wenn selbst deine Alte schon meint, du hättest nen Kurzen“ und änliches) und wie man bei ebay mittels überhöhtem Porto seine Käufer betrügen könne (Hint: Für die Portobewertung gibts auch nochmal nen Bewertungspart, aber nun gut, das kriegen die sicherlich auch noch raus). Nunja, soviel dazu, war halt letztlich doch kein so stilles Abteil. Ich mein, war auch nicht wirklich laut, bloss die dort geführten Konversationen waren so derartig schlecht, dass man schon wieder gezwungen war hinzuhören, um keinen Satz von dem Nonsens, der da von sich gegeben wurde zu verpassen. 😮
Schlaf fand entsprechend nicht statt.

Entsprechend schlaff dann in Osnabrück dem Zug entstiegen, und selbst als Seltertrinker schwankte man änlich umher wie es die Apfelkornfraktion tat – Körperkreislauf muss irgendwas damit zu tun haben, dass man kreisförmige Körperbewegungen vollführt oder so, man, was war ich fertig. Schon die letzten Nächte aufgrund des bei mir im Zimmers herschenden Temperaturniveaus kaum schlafen können (man, ich muss endlich meine Jalousie anbringen, damit die Sonne nicht so dermassen da reinknallt…), gab mir die letzte Nacht dann wohl den Rest, so dass ich Mühe hatte, der ganzen Pferdescheisse auszuweichen – was für anachronistische Zustände herschen dort bei der Osnabrücker Polizei…? Die Uhren ticken da ein bischen langsamer, hatte man so im Gefühl.

Am Stadion angekommen hiess es dann erstmal warten, denn die meinten, man müsse es nicht aufmachen, das hätte ja noch Zeit, das liess dann erneut erahnen, dass die Uhren in Osnabrück tatsächlich anders ticken. Knappe halbe Stunde später dürfte es dann soweit gewesen sein, und dann stellte sich heraus, dass die dort überhaupt nicht mehr richtig ticken, in keinster Weise.

Es begannen nervige Diskussionen mit Ordnern, die nicht nur kein Tesafilm zum anbringen von Transpis im Block haben wollten, die Trommelstöcke und Gehilfen auf ihren Inhalt kontrollierten und die einem ein zweites Feuerzeug abnahmen und den Inhalt der Geldbörse kontrollierten („zuviel Kleingeld ist nicht erlaubt, denn das deute darauf hin, dass man damit schmeissen wolle“ Häh?!). So ist das halt mit Ordnern, die zum ersten Mal Ordner sind – und erstmal Auskunft beim nebenanstehenden Ordner einholen müssen, ob Flaschen denn erlaubt seien. Nein, sind sie natürlich nicht, war aber auch gar nicht das Ziel, die mit reinzunehmen, die lagen da halt drinne, weil sie irgendwer im Zug da reingeschmissen hatte, und das man denen längst sagte, dass er die halt doch einfach vorm Stadion entsorgen solle spielte auch keine nennenswerte Rolle, nein, es musste erst der Oberchefordner angewackelt kommen, damit man ihm fragen konnte, ob denn die Flasche nicht vielleicht im Stadion verboten sei. Man man man…

10 Minuten später stand ich dann in eines meiner Lieblingsstadien, das die Regionalliga so zu bieten hat – mit netter Akkustik, überdachtem, bezahlbarem Stehplatzgästeblock und guter Sicht aufs Feld, was will man eigentlich mehr? Die Heimfans zeigten irgendeine Enten – Gebirgschoreo, deren Sinn sich mir nicht erschloss, plus ein Transpi gegen polizeiliche Repression in Emden, Gladbach und Hamburg – gute Sache eigentlich, und vielleicht geben Spielberichte oder Fotos anderer ja auch noch den Sinn heraus, den ihre Gebirgsentenchoreo besessen haben soll. 😀

Das Spiel von Osnabrücker Seite dann relativ ruppig (oder nennen wir es mal positiver – engagiert) geführt, was sicherlich durch den eigenwilligen Schiedsrichter unterstützt wurde, der irgendwie Konsequenz in seinen Entscheidungen bewies, jedenfalls dahingehend, dass bei zweifelhaften Entscheidungen gegen uns entschieden wurde. Die St. Paulianer liessen in der ersten Halbzeit jedenfalls ihre Tugendeigenschaften vermissen und standen zu weit vom Gegner entfernt – und kamen sie doch mal heran, liess dieser sich fallen und der Schiri entschied auf Freistoss für Osnabrück. War kein Gegenspieler in der Nähe, wurde ersatzweise auch gerne mal Abseits gepfiffen, damit es nicht zu auffällig wurde… Und da das scheinbar nicht reichte, um Osnabrück zum Sieg zu verhelfen, mußte halt nochmal anders nachgeholfen werden – mit einem äußerst fragwürdigen Platzverweis gegen Lechner. Ich weiss es bis heute nicht, was der da gestern fabriziert haben soll – wegen dem absolut harmlosen Foul kann der unmöglich Rot gesehen haben. Muss er also gemeckert haben, wahrscheinlich über die völlig indiskutable Schiedsrichterleistung, ansonsten wüsste ich nicht, warum dieser Schiedsrichter an seinen Arsch fassen hätte müssen, und selbst mit der Aussage hätte er ihn ja nichtmal beleidigt, sondern nur nen Zustandsbericht abgegeben.
Stimmung letztlich im Hauptblock OK bis durchwachsen, in den Nebenblöcken rein optisch nicht vorhanden, akkustisch fehlte denen wohl auch das Dach, aber meine Fresse, bei so nem Spiel muss einfach mehr gehen, wo waren denn die vielen tausend St. Paulianer, die dem Spiel angeblich beiwohnen wollten?! Wenn selbst im „Epizentrum“ des Blocks noch der Heimbereich zu vernehmen ist, waren sie zumindest akkustisch an diesem Tag nicht anwesend, hatten wohl auch verschlafen. Wer nach einem Spiel nicht völlig durchgeschwitzt ist, zumahl bei solchen Temperaturen, der hat deutlich weniger wie die Spieler geleistet, der hat genaugenommen gar nichts geleistet, sondern nur bei der Leistung zugeschaut. Und scheiss egal, ob das die Leser dieses Berichts nun ankotzt, aber Fresse halten und Kamerahandy hochhalten ist einfach scheisse, ist nichts, was man unter Support versteht! Wen supported ihr denn damit, verdampt nochmal? Doch allenfalls euer eigenes Ego – wie toll doch die Stimmung wieder war, nech? Schade, dass ihr kein Teil dieser Stimmung wart.
Ich möchte dann bitteschön mal eine Handychoreo. Beim Einlauf alle ihre Handys hochhalten und gut ist – das wäre doch mal richtig geile Stimmung, ey!

Man, scheisse, alles scheisse. Aber letztlich muss man mit dem Unentschieden, was in Unterzahl geholt wurde, wohl in der Form zufrieden sein, wenngleich mir der „Jubelgesang“ nach Abpfiff deutlich zu frenetisch rüberkam – ja, genau, unsere Auswärtsfankurve erwacht leider immer erst nach Abpfiff des Spiels – aber nun gut, dass einem dann nach dem Spiel Leute auffallen, die auch dann noch torkeln, wenn sie sich zu dritt eingeharkt haben, die so dermassen lattenstramm ist, dass man sich fragt, ob die es bis nach Hamburg geschafft haben – so lässt sich dann wohl auch die Prügelei am St.Pauli-Fanartikelstand erklären. Wer lattenstramm nichts mehr rallt, reagiert halt ggbf. leicht irratiional.

Alles nur Begleiterscheinungen eines Spieltages, an dem St. Pauli keinen Schritt vorankam, bei dem die Verfolger entsprechend aufgeholt haben und der entsprechend schnell zu vergessen sein wird.

Auch wenn wir Spitzenreiter geblieben sind – wir hätten uns spürbar vom Aufstiegskampf absetzen können, und das wenige Spieltage vor Saisonende. Big Point nicht geholt, im Aufstiegskampf steckengeblieben, St.Pauli.

Anstoß: 05.05.2007 14:00
Stadion: osnatel Arena
Zuschauer: 18.415 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)

VfL Osnabrück Gößling – Tredup, Beer, D. Ndjeng, A. Schäfer – Cartus, Enochs, Nouri, Aziz – Chitsulo, Reichenberger
Trainer: Wollitz
Wechsel: 50. Großöhmichen für Aziz, 79. Tüting für Cartus
Gelb: Nouri, D. Ndjeng, Aziz, Enochs, Beer, Reichenberger

FC St. Pauli Borger – Lechner, Morena, Eger, Joy – Takyi, Boll, Meggle, F. Bruns – Marvin Braun, Stendel
Trainer: Stanislawski
Wechsel: 69. Sako für Stendel, 79. Rothenbach für Takyi, 88. Mazingu-Dinzey für Marvin Braun
Gelb: Takyi, Sako
Rot: Lechner (56.)

Schreibe einen Kommentar