Punkt in Mainz

24. November 2008 | Von | Kategorie: Berichte

Hach, Winterspiele haben immer so was melancholisches- und wenn man dann auch noch damit rechnet, dass man elendig lange unterwegs sein wird, so von wegem „Wetter- und speziell Schneechaos im Harz- kommt es natürlich besonders klasse, wenn der bestiegene Bus nicht nur die übliche geringe Beinfreiheit besitzt, sondern auch mal kein „Entertainmentsystem“ an Bord ist, also weder nen Display, noch irgendeine Möglichkeit, sowas wie Musik zu hören. Da stört es dann auch nicht, wenn bei einer winterlichen Fahrt, bei der es spät hell und früh dunkel wird, die Leselampen nicht funktionieren- wer braucht schon sowas wie Abwechslung, wenn doch auch die dunkle Autobahn mehr oder weniger unterhaltsam ist? Naja, eher weniger…

Die zwei Tore waren sowas von unnötig. Hain ist zurecht total ausgeflippt.

Naja, was heisst schon unnötig und zu recht ausgeflippt. Sie haben sich ja absolut angedeutet, Mainz war insbesondere in der ersten Halbzeit absolut drückend überlegen, umso glücklicher war es natürlich, dann erstmal in Führung zu gehen, das hat die dann ein bischen durcheinander gebracht. 🙂
Ausgeflippt ist der schätzungsweise eher, weil mal wieder eine Auswärtsführung verspielt wurde (leichtsinnig? Keine Ahnung, das mag ich nicht beurteilen). Aber sie kamen echt nicht sonderlich überraschend.
Aber Mainz anundfürsich war schon lustig – man sagt von denen ja, dass die nur ein Karnevalsverein sind, aber das hielt ich bisher genauso für ein Klischee wie der Umstand, dass bei uns alle politisch in der Linken beheimatet sind. Aber was ich dann vor dem Spiel in Mainz sah, wirkte schon sehr skurril – da wird ein ziemlich grottiges Karnevalslied eingespielt, und was passiert? Das komplette Stadion am rumschunkeln, lol. Das bei sowas irgendwelche Sitzplatztribünen mitmachen, konnte ich mir ja noch vorstellen (ist genauso wie das immer wieder gesehene „rhythmische Klatschen“ bei Eckbällen, da machen die dann ja auch immer mit…), aber das der komplette Stehplatzblock bei sowas genauso mitmacht, übertrifft das rumgeschunkel bei unserem „Herz von St. Pauli“ um einiges. Merkt man, dass ich diese Schunkeleien auf den Tod nicht ausstehen kann?!

Andererseits haben die vorm Spiel bei YNWA (natürlich auch wieder eine etwas eigenartige Variante davon) eine Schalparade hinbekommen, die einfach nur schön aussah. Alle Tribünen, und da hielt dann wirklich jeder einen Schal hoch, sah schon sehr geil aus, gar nichts zu den eher ziemlich lückenhaften bei uns, wo man überall noch Menschen erblicken kann, weil der jeweils davorstehende seinen Schal eben nicht in die Höhe reckt. Wenn die dann noch mitgesungen hätten, wäre es richtig nett gewesen. 😉

Aber am Ende dann doch nochmal Glück gehabt 🙂

Das fand ich wiederum umso beeindruckender – wie es das Team endlich mal geschafft hat, nach einem Rückstad nochmal zu kommen, sich gegen die drohende (erneute) Niederlage aufzustemmen. Ich mein, als St.Paulispieler wäre ich vermutlich untauglich, weil ich bei einem erneuten Auswärtsrückstand wohl so langsam den Glauben an mich selbst und meine Fähigkeiten einbüssen würde, so oft, wie Auswärtsspiele- teilweise leichtferig- vergeigt wurden. Aber die haben echt daran geglaubt, in Mainz- die ja „nur“ Tabellenführer sind- punkten zu können. Und das die da zurecht oben stehen, konnte man wirklich an den Spielzügen sehen, war wirklich gut anzuschauen.
Bruns hatte Karhan an der Mittellinie gefoult und stand dann noch etwas zu lange in der Nähe des Balls rum. Als er gerade dabei war, sich auf 9,15m zu entfernen, schoß ihn Karhan aus zwei Metern mit einem wuchtigen Freistoß regelrecht ab. Der Schiri kam heran und zeigte beiden Spielern gelb, holte dabei jedoch mit einer Bewegung beider Hände aus jeweils der rechten und der linken Hemdtasche eine gelbe Karte und zeigte sie synchron den Spielern, was zur allgemeinen Erheiterung beitrug. Hätte mich mal interessiert, ob er auch zwei A….karten dabei gehabt hat.

Unentschieden in Mainz, wirklich nicht zu verachten!

Jupp! Und ich durfte dabei sein. 🙂 Fotos gibt es allerdings dieses Mal keine, ich habe meine Kamera während des Spieles im Bus liegen lassen. 😉

Rückfahrt dann weitestgehend ereignislos, sieht man mal davon ab, dass man mit einem Busfahrer unterwegs war, der meinte, den abendlichen Kurzhalt am Hauptbahnhof nicht machen zu wollen, weil man den ja bei der Buchung nicht angegeben hätte. Dass das seit Jahrzehnten gängige Praxis ist, dass bei abendlicher Rückfahrt kurz am Hbf. gehalten wird, um die Leute rauszulassen, die eine andere Richtung als Hamburgs Westen für ihren Nachhauseweg einschlagen müssen, spielt gar keine Rolle mehr, wenn man einen Busfahrer ausgeliefert ist, der diesen vorgetragenen Wunsch damit quittiert, dass man ja eine Städtereise von Hamburg nach Mainz und zurück gebucht hätte und nicht etwa eine Stadtrundfahrt durch Hamburg. Das der Hbf. gewissermassen auf dem direkten Weg von der Autobahn zum Millerntor liegt, war dann auch zunächst egal. Letztlich hielt er dann zwar doch, aber machte anschliessend dann eben auch eine Stadtrundfahrt – durch die Mönckebergstrasse an Rathaus und Börse vorbei zum Rödingsmarkt. Den vorgeschlagenen Abstecher zu den Landungsbrücken wollte er dann leider auch nicht einlegen, aber wenigstens sahen wir noch die Reeperbahn aufblitzen, bevor uns der (leider geschlossene) Dom (das ist der Jahrmarkt, der in Hamburg mehrmals jährlich stattfindet 😉 wiederhatte… Honk allererster Güte.

Unsere ganze Symphatie
gilt dem FC St. Pauli
Denn nur du allein
wirst heute Sieger sein

Jenes singend ging es dann also zu den Bussen, mit dem guten Gefühl, auch auswärts mal punkten zu können – und dann gleich mal beim Tabellenführer! Schönes Gefühl übrigens, hätte ich gerne öfter…

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