FC St. Pauli gibt schlechtes Bild in Sachen Integration ab

12. August 2013 | Von | Kategorie: Kolumne, Topstory

Der FC St. Pauli schreibt auf fcstpauli.com folgendes: „Zur neuen Saison 2013/14 wurde der Bereich für Rollstuhlfahrer auf der Haupttribüne umgebaut. Dadurch sind weitere Plätze für Rollstuhlfahrer entstanden. War der Bereich in der vergangenen Saison noch in der Mitte der Tribüne unterbrochen, sind jetzt durchgängig auf der kompletten Haupttribüne Plätze für Rollstuhlfahrer vorhanden.
Somit konnte die Anzahl der Plätze von 50 (vergangene Saison) auf 70 (seit Beginn dieser Saison) gesteigert werden. Darüber hinaus wird aktuell in Abstimmung mit den Behindertenbeauftragten des FC St. Pauli geprüft, ob die Zahl weiter gesteigert werden kann. Dies soll aber Schritt für Schritt geschehen, so dass ein reibungsloser Ablauf am Spieltag gewährleistet werden kann.

Das verwundert mich nun.
Auf der letzten Jahreshauptversammlung wurde ein Ausbau der Rollstuhlfahrerplätze auf 90 von den Vereinsmitgliedern beschlossen, wie im ausführlichen Bericht beim Magischen FC ziemlich zum Ende hin nachzulesen ist. Dieser Ausbau auf 90 Plätze entspricht nicht dem, was die DFL für ein Stadion unserer Größe sehen möchte, das waren noch einmal deutlich mehr Plätze für Rollis. Ursprünglich eingebracht wurde ein Antrag auf- ich glaube- 120 Rollstuhlplätze, welcher ebenfalls bereits unter dem erwünschten lag(?), man einigte sich aber im Laufe der Diskussion darauf, zunächst einmal nur 90 Plätze anzustreben, bis der Stadionumbau vollständig abgeschlossen ist.
Wenn sich nun der Verein einerseits auf seiner Homepage dafür feiern lässt, dass er die Anzahl von ursprünglich 50 auf nun 70 gesteigert hat, so ist das einerseits berechtigt, weil eben eine Steigerung von 20 Plätzen erfolgte, verschweigt aber andererseits die von den Vereinsmitgliedern bereits beschlossenen 90 Plätze (die ja ihrerseits bereits einen Kompromiss nach unten darstellten).

Angesichts dessen, dass diese Plätze bei quasi jedem Heimspiel verlost werden, um der Nachfrage auch nur annähernd gerecht zu werden (das ergibt sich auch aus dem folgenden, wenn man dem Text auf fcstpauli.com bis zum Ende liest), ist dieser nur teilweise Ausbau einfach nur als mies zu bezeichnen. Ja, beim zumindest ersten Heimspiel meldete der Verein kurzfristig (am Spieltag selbst), dass es noch Restkarten für Rollstuhlfahrer geben würde, das dürfte aber weniger an mangelnder Nachfrage gelegen haben, sondern viel mehr daran, dass die Plätze halt erst kurzfristig fertig wurden, Rollstuhlfahrerplätze aber bereits am Montag nach dem vorhergehenden Heimspiel bestellt werden müssen- und Rollstuhlfahrer halt mitunter nicht ganz so spontan zu Veranstaltungen kommen können, weil ggbf. Assistenz oder Transportkapazitäten benötigt werden, welche es auch erst einmal zu organisieren gilt.

Ich denke, auch wenn der FC St. Pauli da im Zusammenhang mit seinem Schwerbehindertenbeauftragten von „Darüber hinaus wird aktuell in Abstimmung mit den Behindertenbeauftragten des FC St. Pauli geprüft, ob die Zahl weiter gesteigert werden kann. Dies soll aber Schritt für Schritt geschehen, so dass ein reibungsloser Ablauf am Spieltag gewährleistet werden kann.“ redet, ist da noch deutlicher Nachbesserungsbedarf.
Übrigens nicht nur bei den Rollstuhlfahrerplätzen, sondern auch in der Kommunikation. So, wie es sich da liest, lese ich da heraus, dass Rollstuhlfahrer einem reibungslosen Ablauf am Spieltag entgegenstehen.
Da schließt sich dann auch gleich eine weitere Frage dran an: Wer ist dieser Schwerbehindertenbeauftragte eigentlich? Steht auf fcstpauli.com/home/verein/kontakt/verein nämlich natürlich auch nicht vermerkt, genauso wenig wie in der kompletten Rubrik „Verein“ oder „Fans“ ein entsprechender Ansprechpartner genannt wird. Edit 31.10.: Inzwischen, keine Ahnung seit wann, tauchen die Behindertenbeauftragten (oh, es gibt sogar zwei) plus ein Behindertenfanbeauftragter auf der Kontaktseite auf. Danke dafür. Editende. Aber dafür weiß ich nun zumindest, wer für die Buchhaltung in der Vermarktung zuständig ist (ohne diese Person oder deren Auftauchen dort irgendwie weitergehend bewerten zu wollen).

Die fehlenden Rolliplätze in Verbindung mit der kompletten Nichtbenennung ergibt einen ziemlich schlechten Eindruck des FC St. Pauli in Sachen Integration. Wie so was auch aussehen könnte, kann man beispielsweise ausgerechnet auf- ich traue mich eigentlich gar nicht, da einen Link hinzusetzen- hsv.de sehen- verlinkt mit eigenem Menüpunkt in Fans -> Fanbetreuung. Und das war nur der erste Verein, bei dem ich nachgesehen habe, die Suche nach behindertenbeauftragte bundesliga liefert da weitere anschauliche Beispiele. Den FC St. Pauli finde ich dort nicht. Also- kurzum- warum taucht Dagmar Oden nicht auf der Vereinshomepage auf (so sie es denn heute noch ist), und zwar nicht einmal dann, wenn man nach ihrem Namen auf fcstpauli.com sucht?

Update 13.08.13, 00:25 Uhr: Das Aktionsbündnis gegen Homophobie und Sexismus auf St. Pauli schreibt auf seiner Facebookseite auch was dazu. 🙂

Ein Kommentar
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. Aktueller Stand laut Mail von Sven Brux:
    Aktuell gibt es 85 Rolliplätze unten (meint wohl auf Höhe der Rasenfläche) plus 20 weitere oben (auf der Haupttribüne). Wenn nix dazwischen kommt, sollen in der Nord vor dem Gästebereich auch nochmal bis zu 15 weitere Rolliplätze entstehen.

Schreibe einen Kommentar