FC St. Pauli kauft Merchandisingrechte zurück

25. November 2015 | Von | Kategorie: Verträge

Der FC St. Pauli hat eine wegweisende Weichenstellung für die wirtschaftliche Unabhängigkeit des Clubs vorgenommen. Zum 1. Januar 2016 werden die Merchandisingrechte wieder vollumfänglich an den Hamburger Zweitligisten zurückgehen. Darauf einigten sich die Verantwortlichen der Braun-Weißen mit der Upsolut Merchandising GmbH & Co.KG, vertreten durch die Gesellschafter Lagardère und Miles. Bis dahin lagen die Rechte lediglich zu zehn Prozent beim FC St. Pauli.

Der Rückkauf kostet die Braun-Weißen rund 1,3 Mio. Euro. Dieser Betrag, der in zwei Teilzahlungen 2015 und 2016 zu leisten ist, wird durch die Auflösung einer Ansparungsrücklage und die laufende Liquidität finanziert.

„Das ist ein wichtiger Meilenstein für den FC St. Pauli. Unser Ziel ist es, die verschiedenen Geschäftsbereiche wieder in der eigenen Hand zu haben, damit wir in Zukunft unabhängig agieren können“, erklärte Präsident Oke Göttlich.

Der FC St. Pauli und Upsolut lagen seit 2009 wegen des im Jahre 2004 abgeschlossenen Vertrages über die Merchandisingrechte im Rechtsstreit. Nach Verhandlungen über mehrere Instanzen wurde der Streit nach dem Urteil des Oberlandesgerichts, das erstmals zu Gunsten des FC St. Pauli ausgefallen ist, ein Fall für den Bundesgerichtshof. „Diese Verfahren dauern in der Regel zwei bis drei Jahre. Es war nicht sicher, ob der Fall nicht dann möglicherweise vom Bundesgerichtshof wieder an das Oberlandesgericht zurückverwiesen würde und sich der Prozess dann noch längere Zeit hinziehen würde. Um die Unsicherheiten, die den zeitlichen und den rechtlichen Aspekt angehen, aufzulösen, haben wir in den letzten Wochen und Monaten gemeinsam mit den Kollegen von Upsolut an einer außergerichtlichen Lösung gearbeitet und wir sind froh, diese nun erreicht zu haben“, sagte Vizepräsident Joachim Pawlik, der den Abschluss federführend begleitet hat.

Ab dem 1. Januar 2016 wird der Club dann die Geschäfte von Upsolut übernehmen. Auch die rund 80 Mitarbeiter, die als Vollzeit-, Teilzeit- oder Aushilfskräfte beschäftigt sind, werden vom FC St. Pauli übernommen.

totenkopf-logoDie Merchandisingrechte wurden im Zuge der „Retter“ – Kampagne für 30 Jahre zu einem Preis von einer Million Euro an Upsolut verkauft. In den folgenden Jahren gab es einen jahrelangen Rechtsstreit über die (angenommene) Sittenwidrigkeit aufgrund der langen Laufzeit (kicker.de).
Besonders pikant: Etwa ein Viertel der Einnahmen, die Upsolut erzielte, entstammten durch den Fanartikelverkauf vom Ligakonkurenten Union Berlin, welche ebenfalls mit Upsolut verbandelt waren. Diese wollen ihren Vertrag nun ihreraseits möglichst schnell kündigen, damit der FC St. Pauli nicht an den Merchendisingverkäufen von Union Berlin mitverdient (kicker.de).

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  1. FC St. Pauli erzielt Einigung mit Union Berlin

    Die Einigung ging schnell und unproblematisch über die Bühne. Durch den Erwerb der Upsolut Merchandising GmbH und Co. KG durch den FC St. Pauli wären die Kiezkicker auch verantwortlich für das Merchandising von Ligakonkurrent Union Berlin gewesen. Nun haben die Berliner eine Klausel in ihrem Vertrag genutzt, um den Kontrakt vorzeitig zu beenden.

    Für den Fall eines Besitzerwechsels hatten die Unioner ein außerordentliches Kündigungsrecht. „Es war für beide Parteien eine unglückliche Konstellation und wir hätten an Unions Stelle ähnlich gehandelt. In sehr partnerschaftlichen Gesprächen haben uns die Kollegen von Union Berlin über ihren Schritt informiert. Wir haben über alle Modalitäten sehr schnell Einigung erzielt“, erklärte der kaufmännische Geschäftsführer des FC St. Pauli Andreas Rettig.

    „Beiden Seiten war klar, dass nach der Übernahme keine weitere Zusammenarbeit im Merchandising-Bereich möglich ist. Wir haben nun eine vernünftige Lösung gefunden, sodass die Trennung Anfang des neuen Jahres ohne Beeinträchtigung des Geschäftsbetriebes erfolgen kann. Für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren bedanken wir uns bei Upsolut und freuen uns ebenso darauf, künftig die Fanartikel in Eigenregie zu produzieren“, so Christian Arbeit, Geschäftsführer Kommunikation des 1. FC Union Berlin.

    Der 1. FC Union Berlin wird seine Merchandising-Rechte ab 3. Januar 2016 selbst verwerten. Beide Partner unterzeichneten eine Vereinbarung, in der unter anderem auch die Übernahme der bisherigen Mitarbeiter der Union-Fanshops durch den Verein geregelt wurde.

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