Faschodemo in Hamburg Altona gesprengt

Allein der Umstand, dass Faschos wieder auf der Strasse marschieren dürfen, reicht normalerweise aus, um entsprechende Gegenstimmen erschallen zu lassen. Nun ist der Hamburger Senat aber
mittlerweile schon so weit, Faschos direkt durch Altona marschieren zu lassen, nur weil die Demoroute durch gut zu schützende, breite Strassen verläuft. Für Auswärtige vielleicht nicht ganz so ungewöhnlich, aber wenn man weiß, dass Hamburg Rotgrün ist, Altona seit jeher ein Stadtteil ist, in dem Nichtdeutsche und Deutsche einträchtig nebeneinander leben und die Grünen einen Stimmenanteil von über 20 Prozent erreichen, und das Altona ein Nachbarstadtteil von St.Pauli ist, nimmt das ganze doch eine noch provokantere Mischung an. Vorausgegangen war dieser Demo letzte Woche ein „Infostand“ der NPD in einer Altonaer Einkaufsstrasse (Neue Grosse Bergstrasse), direkt neben türkischen Gemüsehändlern, portugisischen Restaurants und spanischen Bäckern. Dieser Infostand der „lebte“ natürlich nicht besonders lange, sondern wurde beherzt von Stadtteilbewohnern umzingelt und
schließlich abgefackelt. Amüsant war in diesem Fall dann noch, dass die Faschos sich daraufhin doch tatsächlich noch tierisch aufregten, offenbar kamen die nicht aus Hamburg, ansonsten hätten die sich vielleicht einen etwas anderen Standort für ihren „Infostand“ ausgesucht…
Nun denn, die Dumpfbacken meinten also nun, gegen diese „Anarchobanden und gewalttätigen Links- Faschisten“, wie sie Menschen mit mehr Verstand nennen, demonstrieren zu müssen, weil die ihren schönen Stand in der letzten Woche einfach ohne zu fragen kaputtgemacht haben.

Der eigentliche Skandal an dieser Demo am gestrigen Samstag war aber nicht, dass er stattfand (man hat sich ja- leider- fast schon gewöhnt, dass die Faschisten wieder durch Hamburg marschieren dürfen), sondern eher, wo er stattfand. Er sollte nämlich direkt vom Altonaer Rathaus, in direkter Nachbarschaft zu einem jüdischen Friedhof, starten und dann Richtung St.Pauli verlaufen. Die genaue Route:
Palmaille, Breite Strasse, Kirchenstrasse, über die Königstrasse (welche in die Reeperbahn mündet), dann über Mörkenstrasse in die Ehrenbergstrasse zurück zum Platz der Republik, wo die NPDŽler 4 Stunden nach Abmarsch ihre Abschlusskundgebung abhalten wollten. Für die Strecke, die die abmarschieren wollten, benötigt man normalerweise vielleicht 15 Minuten, die werden schon gewusst haben, wieso die dafür 4 Stunden veranschlagt haben…
Aber so weit kam es dann ja doch nicht. Die in der Umgebung wohnenden Menschen machten den Plan der Faschos durch
bloße, massenhafte Anwesenheit zunichte, und ließen sich auch durch das total überzogene Aufgebot der Polizei, die mit Wasserwerfern, Räumpanzern und ähnlichem Gerät die 150 Penner beschützen sollten, nicht davon abschrecken, sich denen unerlaubterweise in den Weg zu stellen („Sie befinden sich auf der angemeldeten Demonstrationsroute, bitte machen Sie die Strassen frei, oder wir werden mit den Wasserwerfern dafür sorgen, dass diese angemeldete Demonstration ordnungsgemäß durchgeführt werden kann…“).
Nachdem die NPD- Schweine unter massivem Polizeischutz zunächst zu ihrem Versammlungsort am Altonaer Rathaus durchgeprügelt worden waren, wurden sie trotz weiträumiger Absperrung aber gleich von einigen Tausend Gegendemonstranten (kein schwarzer Block oder so, sondern eher so eine Art Familienausflug) regelrecht eingekesselt- jedenfalls waren die umliegenden Strassen rund um den S- Bahnhof Altona bis hin zum an der Elbe liegenden Altonaer Balkon gut mit Menschen gefüllt, die da ihren „Samstagsausflug mit Ihren Familien“ verbringen wollten. Durch Knüppeleinsatz der Polizei konnten die Faschos dann aber doch irgendwann in Richtung Palmaille losstampfen (also ca. 200 Meter weit), wo sie dann freudestrahlend mit Obst- und Gemüsestücken verpflegt wurden- wie gesagt, nicht von Leuten, von denen man das eigentlich erwarten würde, sondern echt eher von den sogenannten normalem Volk. Leider- oder eher zum Glück- bietet die Palmaille keinerlei Seitenstrassen, wohin die Faschos hätten ersatzweise ausweichen und ihren Aufmarsch hätten fortsetzen können- denn hinter ihnen waren ebenfalls Menschen aufgezogen, die sie nicht mehr zurücklassen wollten-
naja, und die Palmaille war bereits seit Stunden von wahren Menschenmassen zugestellt. Sah irgendwie lustig aus, wie die Faschos einerseits von Grünen Männchen mit Verstärkung von Wasserwerfern und Räumpanzern, und die wiederum von anderen Menschen umzingelt waren. Diesen friedlichen Protest (denn es wurde,
außer mit Gemüse und Obst- eigentlich nichts geworfen) hatten die Polizeikräfte vermutlich nicht in diesem
Ausmaße erwartet, denn die Faschos hingen dann erst einmal rund eine Stunde, eingekesselt von Gegendemonstranten, in der Palmaille fest.
Nach gut einer Stunde griff die Polizei, die wie gesagt reichlich martialisch mit Räumpanzern und Wasserwerfern auftrat, durch. Allerdings vermochten sie auch damit dann nicht die Palmaille („Sie befinden sich hier auf der angemeldeten Marschstrecke, bitte räumen Sie das Feld…“) von dem bürgerlichen Ungehorsam freizubekommen, und sorgten dann
schließlich dafür, dass sich die Faschos über die Behn- und die Königstrasse in der S- Bahn verpissen mussten- die Faschos ihre Route also absolut nicht abmarschieren konnten (sondern nur einen Weg, den man üblicherweise in 10 Minuten abmarschiert, in zwei Stunden zurücklegen konnten).
Auffällig war, dass sich die Palmaille hervorragend zum Demonstrieren eignet. Durch die enge, recht hohe Bebauung war die
Akustik, die von den 2000 Gegendemonstranten ausging, hervorragend- von den 100 Faschos hat man die ganze Zeit über nichts gehört, deren
„Message“ verhalte im Nebel der Wasserwerfer ungehört. Insofern also ein klasse Erfolg des bürgerlichen Ungehorsams über Faschos und Politik, die ihnen mit der Erlaubnis zum demonstrieren den Weg frei machen wollten.
Mir bleiben nun eigentlich nur ein paar Fragen:
Wie kann der Senat so eine Demonstration erlauben, wie kann sich eine Gruppe, die sich gegen das Grundgesetz ausspricht, dann, wenn es ihr nützt, auf das im Grundgesetz verankerte Demonstrationsrecht berufen?
Und vor allem- wie kann der Senat diese Demonstration ausgerechnet durch Altona erlauben? Es ist für mich einem Wunder gleichzusetzen, dass die Gegendemo friedlich verlief (eigentlich war es auch keine Demo, eher ein massenhaft überall im Stadtteil präsent sein). Das ist mit das unglaublichste an dieser ganzen Geschichte. Da wird von unserem Steuergeld dafür gesorgt, dass 100 Demokratiefeinde sich auf die Demokratie berufen dürfen, und- geschützt von 2000 schwer auftretenden (Räumpanzer und Wasserwerfer gegen Kinderwagen- wo sind wir hier eigentlich?!?) grünen
Männchen durch ein Viertel marschieren dürfen, welches mehrheitlich von Ausländern und deren Freunden bewohnt wird. Ich wünsche bspw. den Berlinern dann mal viel
Spaß bei einer nun wohl zu erwartenden (Grundlage: In Hamburg ging es ja auch) NPD- Demo in Kreuzberg.
Und Hamburg wird von Rot- Grün regiert? Davon merkt man nichts, wenn innerhalb von einigen Monaten erst Faschos in
Barmbek, dann in Bergedorf- und nun ausgerechnet in Altona demonstrieren dürfen- geschützt von Knüppeln und Wasserwerfern. Das ist keine Demokratie mehr!

Hintergrundinfos (alle Hamburger Abendblatt):
Demo der NPD durch
Barmbek: 1, 2, 3, 4
Demo durch Altona: 1, 2

Nieder mit dem Faschismus!