10. Juni 1995, 3:1- Sieg beim FSV Frankfurt, noch 1 Punkt fehlt für den Aufstieg zur 1.Liga

Ein sonniger Tag. Es ist Sonntag, 18. Juni 1995. Nachmittags um ca. 13:30 Uhr.

Um 15:00 Uhr steigt St.Paulis Spiel- in der 2.Liga- um den letzten verbliebenen Aufstiegsplatz. Sie benötigen noch einen
einzigen Punkt, um ganz sicher aufgestiegen zu sein.

In der gesammten Stadt herscht eine unglaubliche Euphorie.
Sowas hat Hamburg noch nicht erlebt- überall fahren schon
vor dem Spiel mit Flaggen, Schals und ähnlichen
bunt geschmückte Autos herum.

Bereits in der Vorwoche liegen 500 Dauerkarten- Vorbestellungen
für die nächste Saison beim Kartencenter vor, obwohl noch nicht
klar ist, was die Tickets kosten.

Obwohl noch keiner weiß, in welcher Liga St.Pauli in der nächsten
Saison spielen wird. Die Euphorie um den gesammten Verein ist
unwahrscheinlich intensiv, die gesammte Stadt- der gesammte Norden- halb Deutschland- ach was, die gesammte Welt ist
am fibrieren, am zittern.

Zum letzten Auswärtsspiel in der vorigen Woche beim zu dem Zeitpunkt
bereits abgestiegenen FSV Frankfurt fuhren siegestrunkene
Fanscharen, es war ein auswärtiges Heimspiel (Zuschauerzahl knapp 9000,
davon 8000 St.Paulifans- was, wie sollte es auch anders sein- den
Saisonrekord für den FSV Frankfurt bedeutete).

Montag, 12. Juni 1995, also der Montag nach dem Spiel in Frankfurt.
Ausschnitt aus der Hamburger Morgenpost:

Schon vor der Partie wurden die Millerntor- Cracks
enthusiastisch empfangen.

Knapp 1000 Leute umringen den Manschaftsbus, ließen die
Profis kaum zur Kabine durch.


"Unglaublich, unwahrscheinlich, einfach nur gespenstisch,
total verrückt, was hier abgeht, das sind keine Fans, das
sind- ich weiß es nicht- das sind- äh- das sind Verrückte."
stammelte FSV Frankfurt-
Akteur Alexander Schur völlig von
der Rolle beim Anblick der Szenen, die sich bereits vor Anpfiff
bei den St.Paulifans im und rund ums FSV- Stadion abspielten.

Und bereits nach fünf Minuten Spielzeit unbeschreiblicher
Jubel.

Nach einer Hollerbach [huch!]- Flanke ist Trulsen mit dem
Kopf da (auch damals trafen also nur die Abwehrspieler, die Tore schießen…) und
markiert unbedrängt das 1:0.

Danach geht kaum noch etwas, St.Pauli steht gegen die
biederen Hausherren in der eigenen Hälfte mächtig unter
Beschuß.

In der 38. Minute klatscht eine verunglückte Duric- Flanke
noch an den Pfosten.

Aber 60 Sekunden später markiert Milovanic den mitlerweile
verdienten Ausgleichstreffer- ein Schock.

Aber nach der Pause schwappt die Aufstieggslaune wieder
über. Die Hamburger erhöhen den Druck, kommen zwangsläufig
zu Chancen- und zu Toren.

In der 65. Minute: Kapitän Pröpper bedient den
freistehenden Schubert. Und der Pole hämmert die Kugel aus
14 Metern zum 2:1 unter die Latte.

Einfach irre- die Fans tanzen auf den Rängen, auf den Zäunen,
in Bäumen und einzelne sogar mitten auf der Laufbahn vor dem Spielfeld.
Feiernde St.Paulianer, 32 kb

Unbeschreibliche Szenen spielen sich im Stadion der Frankfurter ab.

Und fünf Minuten später kommt es noch besser: Rasijewsksi,
mit Gelb vorbelastet, senst Scharping um- sieht folgerichtig Gelb-Rot.
Besonders bitter für die Frankfurter: das Foul geschieht im Strafraum- Elfmeter. Pröpper verwandelt sicher zum 3:1.

Jetzt ist die Anhängerschar nicht mehr zu halten, die
Hütte bebt. Schlußpfiff. Die Fans stürmen auf den Rasen,
die Spieler flüchten in die Kabine.

Minutenlang schreien tausende Fans "Wir wolln die Helden
sehn&quot, ein totales Chaos- aber ein friedliches.

Nach sechs Minuten erfüllt die Manschaft ihren Fans den
Wunsch, kommt aus der Kabine, feiern gemeinsam mit den Fans
den Aufstieg.

„Aber noch fehlt ja ein Punkt….“


Am nächsten und letzten Spieltag wird das Millerntor
ungewöhnlich früh geöffnet, nämlich vier Stunden vor
Anpfiff (normalerweise 2 Stunden vorher).

Dieses ist jedoch auch notwendig- das Interesse an der
Mannschaft, die Lust auf St.Pauli überhaupt ist riesig.

Bereits 2 Stunden vor Anpfiff ist das Stadion zu zwei
Dritteln gefüllt, vor dem Stadion stehen dennoch 10000de,
die keine Karten mehr bekommen konnten, und würden annähernd
jeden Preis für ein Ticket der billigsten Kategorie zahlen
(400 Mark für ein 14 Marks- Gegengeraden- Ticket….).

Laut dem Kartencenterchef lagen für dieses Spiel weitere 10000de
Kartenwünsche vor, aber das Spiel war ja bereits vier Wochen vor
dem Spieltag ausverkauft…es gingen eben nur 20000 (+ die
üblichen xxxx „Illegalen“ bei solchen Spielen…) ins Stadion…

Ins Volksparkstadion sollte dennoch nicht ausgewichen werden
(was ich gut fand- naja, ich hatte ja auch eine Karte…), denn dort sah St.Pauli- auch bei „Heimspielen“- eigentlich
nie besonders gut aus, und es galt, mit einem Sieg den Aufstieg zu feiern.

2 Stunden vor Anpfiff, 19 kb
Wie gesagt, bereits 2 Stunden vorher war das Millerntor
wirklich gut gefüllt, und die Party war eigentlich bereits
im vollen Gange, noch bevor der Stadionsprecher überhaupt
das Mikro angeschlossen hatte 😉

Noch bevor überhaupt die Manschaft da war, denn die traf,
aufgrund total chaotischer Verhältnisse auf dem
Heiligengeistfeld vor dem Stadion, wo sie von frenetisch
feiernden St.Paulifans immer wieder angehalten wurden,
wie eigentlich im gesammten St.Pauli, erst eine Stunde vor
Spielbeginn ein- indem sie mehrfach auf der Gegenspur von der
Polizei durch das Chaos gelotst wurde, denn überall feierten
bereits die Leute, die Reeperbahn war bereits vor dem Spiel
komplett gesperrt…