Schlagwort: Polizei

Mi., 31. Dezember 1969 / Topstory

Ein sonniger Tag. Es ist Sonntag, 18. Juni 1995. Nachmittags um ca. 13:30 Uhr.

Um 15:00 Uhr steigt St.Paulis Spiel- in der 2.Liga- um den letzten verbliebenen Aufstiegsplatz. Sie benötigen noch einen
einzigen Punkt, um ganz sicher aufgestiegen zu sein.

In der gesammten Stadt herscht eine unglaubliche Euphorie.
Sowas hat Hamburg noch nicht erlebt- überall fahren schon
vor dem Spiel mit Flaggen, Schals und ähnlichen
bunt geschmückte Autos herum.

Bereits in der Vorwoche liegen 500 Dauerkarten- Vorbestellungen
für die nächste Saison beim Kartencenter vor, obwohl noch nicht
klar ist, was die Tickets kosten.

Obwohl noch keiner weiß, in welcher Liga St.Pauli in der nächsten
Saison spielen wird. Die Euphorie um den gesammten Verein ist
unwahrscheinlich intensiv, die gesammte Stadt- der gesammte Norden- halb Deutschland- ach was, die gesammte Welt ist
am fibrieren, am zittern.

Zum letzten Auswärtsspiel in der vorigen Woche beim zu dem Zeitpunkt
bereits abgestiegenen FSV Frankfurt fuhren siegestrunkene
Fanscharen, es war ein auswärtiges Heimspiel (Zuschauerzahl knapp 9000,
davon 8000 St.Paulifans- was, wie sollte es auch anders sein- den
Saisonrekord für den FSV Frankfurt bedeutete).

Montag, 12. Juni 1995, also der Montag nach dem Spiel in Frankfurt.
Ausschnitt aus der Hamburger Morgenpost:

Schon vor der Partie wurden die Millerntor- Cracks
enthusiastisch empfangen.

Knapp 1000 Leute umringen den Manschaftsbus, ließen die
Profis kaum zur Kabine durch.


"Unglaublich, unwahrscheinlich, einfach nur gespenstisch,
total verrückt, was hier abgeht, das sind keine Fans, das
sind- ich weiß es nicht- das sind- äh- das sind Verrückte."
stammelte FSV Frankfurt-
Akteur Alexander Schur völlig von
der Rolle beim Anblick der Szenen, die sich bereits vor Anpfiff
bei den St.Paulifans im und rund ums FSV- Stadion abspielten.

Und bereits nach fünf Minuten Spielzeit unbeschreiblicher
Jubel.

Nach einer Hollerbach [huch!]- Flanke ist Trulsen mit dem
Kopf da (auch damals trafen also nur die Abwehrspieler, die Tore schießen…) und
markiert unbedrängt das 1:0.

Danach geht kaum noch etwas, St.Pauli steht gegen die
biederen Hausherren in der eigenen Hälfte mächtig unter
Beschuß.

In der 38. Minute klatscht eine verunglückte Duric- Flanke
noch an den Pfosten.

Aber 60 Sekunden später markiert Milovanic den mitlerweile
verdienten Ausgleichstreffer- ein Schock.

Aber nach der Pause schwappt die Aufstieggslaune wieder
über. Die Hamburger erhöhen den Druck, kommen zwangsläufig
zu Chancen- und zu Toren.

In der 65. Minute: Kapitän Pröpper bedient den
freistehenden Schubert. Und der Pole hämmert die Kugel aus
14 Metern zum 2:1 unter die Latte.

Einfach irre- die Fans tanzen auf den Rängen, auf den Zäunen,
in Bäumen und einzelne sogar mitten auf der Laufbahn vor dem Spielfeld.
Feiernde St.Paulianer, 32 kb

Unbeschreibliche Szenen spielen sich im Stadion der Frankfurter ab.

Und fünf Minuten später kommt es noch besser: Rasijewsksi,
mit Gelb vorbelastet, senst Scharping um- sieht folgerichtig Gelb-Rot.
Besonders bitter für die Frankfurter: das Foul geschieht im Strafraum- Elfmeter. Pröpper verwandelt sicher zum 3:1.

Jetzt ist die Anhängerschar nicht mehr zu halten, die
Hütte bebt. Schlußpfiff. Die Fans stürmen auf den Rasen,
die Spieler flüchten in die Kabine.

Minutenlang schreien tausende Fans "Wir wolln die Helden
sehn&quot, ein totales Chaos- aber ein friedliches.

Nach sechs Minuten erfüllt die Manschaft ihren Fans den
Wunsch, kommt aus der Kabine, feiern gemeinsam mit den Fans
den Aufstieg.

„Aber noch fehlt ja ein Punkt….“


Am nächsten und letzten Spieltag wird das Millerntor
ungewöhnlich früh geöffnet, nämlich vier Stunden vor
Anpfiff (normalerweise 2 Stunden vorher).

Dieses ist jedoch auch notwendig- das Interesse an der
Mannschaft, die Lust auf St.Pauli überhaupt ist riesig.

Bereits 2 Stunden vor Anpfiff ist das Stadion zu zwei
Dritteln gefüllt, vor dem Stadion stehen dennoch 10000de,
die keine Karten mehr bekommen konnten, und würden annähernd
jeden Preis für ein Ticket der billigsten Kategorie zahlen
(400 Mark für ein 14 Marks- Gegengeraden- Ticket….).

Laut dem Kartencenterchef lagen für dieses Spiel weitere 10000de
Kartenwünsche vor, aber das Spiel war ja bereits vier Wochen vor
dem Spieltag ausverkauft…es gingen eben nur 20000 (+ die
üblichen xxxx „Illegalen“ bei solchen Spielen…) ins Stadion…

Ins Volksparkstadion sollte dennoch nicht ausgewichen werden
(was ich gut fand- naja, ich hatte ja auch eine Karte…), denn dort sah St.Pauli- auch bei „Heimspielen“- eigentlich
nie besonders gut aus, und es galt, mit einem Sieg den Aufstieg zu feiern.

2 Stunden vor Anpfiff, 19 kb
Wie gesagt, bereits 2 Stunden vorher war das Millerntor
wirklich gut gefüllt, und die Party war eigentlich bereits
im vollen Gange, noch bevor der Stadionsprecher überhaupt
das Mikro angeschlossen hatte 😉

Noch bevor überhaupt die Manschaft da war, denn die traf,
aufgrund total chaotischer Verhältnisse auf dem
Heiligengeistfeld vor dem Stadion, wo sie von frenetisch
feiernden St.Paulifans immer wieder angehalten wurden,
wie eigentlich im gesammten St.Pauli, erst eine Stunde vor
Spielbeginn ein- indem sie mehrfach auf der Gegenspur von der
Polizei durch das Chaos gelotst wurde, denn überall feierten
bereits die Leute, die Reeperbahn war bereits vor dem Spiel
komplett gesperrt…

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Mi., 31. Dezember 1969 / Topstory

Per Rundmail erreichte uns heute ein Erlebnisbericht von der Antirassismus-Tournee „Die Leude woll`n, dass was passiert“ aus dem sächsischen Wurzen- dem ersten Ort, der sich als „national befreite Zone“ bezeichnete. Wir dokumentieren die Mail im Original…

Hallo liebe leute, ich schreibe euch heute allen zusammen eine Mail, weil ich euch allen etwas berichten möchte, was ich erlebt habe.
Zum Background: Zur Zeit gibt es eine hip hop tour gegen rechte gewalt, die durch verschiedene Städte Ostdeutschlands geht.
Die Tour steht unter dem Namen `Die Leude woll`n, dass was passiert` (Slogan von Fünf Sterne Deluxe) und ist im Rahmen der Stern- Aktion `Mut gegen rechte Gewalt` ins Leben gerufen worden. Angeleiert haben diese Tour der Stern und das Büro Lärm, für die ich diese Tour als Tourleitung begleite. Wir sind in Städten wie Neustadt an der Orla, Wurzen, Eberswalde, Dessau und Bad Salzungen, weil dieses einige der Brennpunkte sind, in denen die Nazis die Überhand gewonnen haben.

Ich möchte euch nun hier von unserem Aufenthalt in Wurzen am 21. April 2001 erzählen, weil ich das Gefühl habe, dass viel mehr Menschen darüber informiert werden müssen, was in dieser Stadt abgeht.
Wurzen ist die erste Stadt, die sich National befreite Zone genannt hat. Demzufolge gibt es dort auch keine Ausländer. es gibt keine Dönerbude, es gibt kein ital. Restaurant. Das einzige Chinarestaurant, dass es dort gab, wurde solange terrorisiert, bis die Inhaber flohen. Die Anfangsbuchstaben vom Happy House (Name des Restaurants) wurden stehen gelassen und stehe heute für Heil Hitler. Die Nazis haben dort einen ihrer Treffpunkte eingerichtet, in dem sie sogenannte Heimatabende verbringen.

Als wir in Wurzen ankamen, war sofort klar, dass wir dort alles andere als willkommen sind. Wir wussten zwar, dass Wurzen mit der härteste Termin auf unserem Plan war, doch was uns dort erwarten sollte, übertraf jede Vorstellung.

Zunächst muß gesagt werden, dass die Veranstaltung Open Air war, da die Stadt keinen Raum zur Verfügung stellen wollte. Vor Ort organisierte das Konzert eine Gruppe von Antifaleuten, die (man kann es gar nicht glauben) in Wurzen und Umgebung wohnen. Diese Menschen sind alle um die 20 Jahre und wollen nicht aus Wurzen wegziehen, da sie sagen, dass sie den Kampf dann endgültig verloren haben.

Unsere Sprüher, die fester Bestandteil der Tour sind, fingen um 14h an, eine Mauer, die gegenüber des Geländes an einer Straße lag, zu bemalen. Von Anfang an wurden sie von vorbeifahrenden Nazis bedroht (heute Nacht krieg ich dich. Ich töte euch.
etc). Von der vorher abgesprochenen Polizeistreife zu unserem Schutz war nichts zu sehen.

Um ca. 15h hielten zwei Polizeiautos vor der Mauer. Die Polizisten stiegen aus und verlangten von den Sprühern die Sprüherlaubnis. Reine Schikane, wenn ihr mich
fragt, denn logischerweise war die ganze Veranstaltung (also auch das Sprühen) genehmigt und angekündigt.
Von Anfang an trat die Polizei sehr unfreundlich und äußerst
unkooperativ auf. Einer der Sprüher, der chinesischer Abstammung ist, filmte die ganze Aktion mit seinem Camcorder. Plötzlich nahmen die Polizisten ihn und wiesen ihn an, ihnen ins Polizeiauto zu folgen. Es gab überhaupt keine Erklärung bzw. rechtliche Grundlage zu dieser Aktion.

Ich versuchte herauszufinden, was dem Sprüher vorgeworfen wird, aber schon bald war klar, warum gerade er ausgesucht wurde. Ich bekam keine Antworten auf meine Fragen. Daniel (Sprüher) mußte seinen Film löschen und seine Personalien angeben. Dafür gibt es ebenfalls keine rechtliche Grundlage. Reine Schikane!
Als mir einer der Polizisten dann sagte, dass der Sprüher dort festgehalten wird, weil er ja erst einmal seinen Namen buchstabieren müsse („oder können Sie etwa vietnamesisch?“), war die Situation kurz vor dem eskalieren. Deshalb und natürlich auch, weil wir die Presse hinter uns hatten (Stern und Focus waren anwesend), wurde Daniel schließlich wieder frei gelassen. Von da an war klar, dass die Polizei, die uns eigentlich beschützen sollte, nicht wirklich auf unserer Seite steht.

Ein Einsatzwagen stellte sich dann eine
Zeitlang neben die Mauer, und tat so, als würde er aufpassen. Einer der Polizisten in diesem Auto war der Vater des NPD- Vorsitzenden dieser Stadt. Ein weiteres Beispiel für die Parteiorientierung der polizei: ein einzelner Nazi geht an ca. 30 Sprühern vorbei und gröhlt ganz selbstbewusst, dass er heute Nacht alle tötet. Dann geht er um die Ecke und begrüßt die schon erwähnten Polizisten.

Das Konzert verlief reibungslos. Wir bekamen so viel Dankbarkeit entgegen und merkten, wie in Neustadt, dass es so wichtig ist, etwas für die Menschen zu tun, die gegen diese Nazis kämpfen. Ich habe tiefsten Respekt vor diesen Leuten, die dort täglich verprügelt oder aus Bussen geschmissen werden und den Kampf trotzdem nicht aufgeben!!!
Als das Konzert zuende war und der Großteil des Publikums und die bands im Hotel waren, tauchten plötzlich ca. 50 Glatzen auf dem großen Parkplatz vor dem Konzertgelände auf. Von der Polizei war zunächst nichts zu sehen. Unser Sicherheitschef konnte die Nazis mit seinen Leuten einkesseln und eine Straße hochtreiben. Dann tauchte auch die Polizei auf, die sich (mal wieder) äußerst unkooperativ verhielt. Doch nach einem Gespräch des Einsatzleiters mit Anetta Kahane von der Amadeu Antoniostiftung, die während der ganzen Tour dabei ist, gaben die Polizisten ein Versprechen, dass sie auf dem Parkplatz blieben, bis alle
Beteiligten den Ort verlassen hätten.
Immer wieder tauchten Nazis aus der Dunkelheit auf. Im fünfer Konvoi fuhren wir (A. A. Stiftung, Sprüher, Focus- Fotograf und ich) dann mehr oder weniger fluchtartig mit unserem Sicherheitschef in unser Hotel, dessen Besitzer übrigens einen der NPD- Jugendclubs durch Geldspenden unterstützt.
Auf dem Weg bekamen wir dann noch zum Abschied den Hitlergruß.

Ich finde es sehr wichtig, dass ich möglichst vielen Menschen mitteile, was in dieser Stadt abgeht. Wir erfahren viel aus den Medien, nehmen das auf, und denken, dass das schon schlimm ist. Aber dass da ja eh nichts passieren kann. das sind doch nur so ein paar Vollidioten, die so denken. Man kann sich das aber nicht vorstellen, wenn man es nicht erlebt hat oder jetzt hört. Es ist wirklich so schlimm, egal wohin du guckst, es leben dort nur Nazis (bis auf die Handvoll Antifaleute). der Stadtrat, Polizei- egal was- Nazis! und die, die keine Glatze oder Hitlerfrisur tragen, verschließen die Augen. genau wie vor 50 Jahren. Das ist dort ganz schlimm und ich wünsche mir, dass viel mehr Menschen davon etwas mitkriegen, damit das Problem ernst genommen wird. Auch wenn ich in meinem ganzen Leben noch nie solche Angst vor Menschen gehabt habe, bin ich sehr froh, dass ich diese Tour mitmache. Wie gesagt, die Menschen, die dort gegen die Nazis kämpfen, müssen viel mehr unterstützt werden. Ich würde immer wieder bei dieser Aktion mitmachen.
br>Bei dem Konzert waren übrigens ca. 400 Leute, die richtig gefeiert haben. Denen war es im Prinzip auch total egal, wer auf der Bühne steht. Hauptsache, es wird was für sie getan. Ich hoffe, ich konnte euch so einigermaßen eine Vorstellung geben, was in Wurzen (und nicht nur dort) abgeht.
Wenn ihr mehr
über die Tour erfahren wollt, guckt unter www.eyedoo.de, www.buerolaerm.de, www.fourartists.com, www.amadeu-antonio-stiftung.de oder kauft euch den neuen Stern. Da steht ein Bericht über Wurzen drin, den ich vor der Tour reißerisch fand, aber nach der Tour mit ganz anderen Augen sehe.

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Mi., 31. Dezember 1969 / Topstory

Am Samstag erdreistete sich der braune Mob die angemeldete Demo parallel zur Mönkebergstrasse tatsächlich durchzuführen.
Ca. 400 Nazis wanderten die streng abgesperrte Strecke ab und wurden von 4000 „Playmos“ vor den Gegendemonstranten beschützt.

Die Gegendemo begann um 10:00 nähe der U-Bahn Messehallen. Von dort machte ich mich dann mit ’nem Pulk Punks in Richtung Scum los.
Beäugt von bestimmt 250 Polizisten, die das Treffen des friedlichen Antifa-Haufens beäugten und fleissig Strassen absperrten.

Unter zahlreichen „wir gehen nur ein Bier trinken“-Witzen bewegte sich der 30-Köpfige Pulk zielgerichtet zu der von den Nazis angestrebten Route. Nach kurzer Zeit traf man auf der Strasse einen riesenhaufen Polizeibeamte. Während der Beratschlagung wo man wohl am besten „demonstrieren“ solle, reagierte die Polizei auf unsere Anwesenheit. Fünf Wasserwerfer, ein paar Räumpanzer und etliche „Grüne Minnas“ stauten sich vor unseren Augen. Wir bemerkten gerade die katastrophale minimierung unseres Haufen (da warens nur noch 15), als die Polizei tatsächlich ein Wasserwerfer auf uns ausrichtete, die Wasserpistole ausfuhr und erstmal zielte. Laut lachend bewegten wir uns auf die MÖ um weiteres gesocks aufzusammeln, da wir uns nicht weiter auflösen wollten.

Als wir uns später beim Bäcker verköstigen wollten, wurde unsere Gruppe getrennt. Warum? Weil ein paar Polizisten meinten die erste hälfte von uns passieren zu lassen und den Rest einfach auzuhalten. Erklären lässt sich dies nur mit der nahen Absperrung, allerdings durften wir nach 10 Minuten pöbeln passieren. Was sollte das? Naja, es bestätigte die Unfähigkeit von Polizeikräften/Einsatzleitung.

Apäter beobachteten wir die Demo vom Dach des Karstadt-Hauses. Die Polizeibeamten, wie sie in riesigen Trupps herummarschierten erinnerten gleichzeitig an Soldaten wie an die Römer aus Asterix und Obelix. Die Sicht zeigte uns außerdem, dass die Polizei es beinah geschafft hatte nach 3 Stunden sämtliche Zugänge durch bloße Masse zu verbarrikadieren. Als drittes kriegten wir mit, dass ein Teil unserer Gruppe es geschafft hatte auf den „Weg der Rechten“ zu kommen, was man an lautem Gegröle und bewegungen der Polizeibeamten bemerkte.
Kaum verliessen wir Karstadt, sahen wir im davor demonstrierenden Antifablock die erste Schlägerei des Tages.
Und nun kommen wir zur wirklichen Schweinerei:

Vor den auf der Kreuzung stationierten Polizisten hatten sich die Antifas niedergelassen um Ihre Gesänge loszuwerden. In diesem Pulk von ca. 100 friedlichen Demkonstranten lief ein Typ mit Megaphon herum, der die Leute mit zum teil zweideutigen Sprüchen motivierte zu bleiben, zu grölen und hin und wieder zu versuchen sich vorwärtszudrängen. Dieser war der Polizei wohl ein Dorn im Auge, weshalb sie zwei vermummte verdeckte Ermittler einsetzte, die, als der Megaphon-Mensch nah an der Reihe der Polizisten stand, von Ihnen durch diese Reihen gedrängt und verhaftet wurde. Der Typ hatte nichts gemacht, aber er mobilisierte eben Menschen. Kurz darauf verlief die Demo an der Stelle im Sande und ich bin sicher, der Typ ist wieder auf freiem Fuss.

NIEDER MIT DER NAZIPEST

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Mi., 31. Dezember 1969 / Topstory

Allein der Umstand, dass Faschos wieder auf der Strasse marschieren dürfen, reicht normalerweise aus, um entsprechende Gegenstimmen erschallen zu lassen. Nun ist der Hamburger Senat aber
mittlerweile schon so weit, Faschos direkt durch Altona marschieren zu lassen, nur weil die Demoroute durch gut zu schützende, breite Strassen verläuft. Für Auswärtige vielleicht nicht ganz so ungewöhnlich, aber wenn man weiß, dass Hamburg Rotgrün ist, Altona seit jeher ein Stadtteil ist, in dem Nichtdeutsche und Deutsche einträchtig nebeneinander leben und die Grünen einen Stimmenanteil von über 20 Prozent erreichen, und das Altona ein Nachbarstadtteil von St.Pauli ist, nimmt das ganze doch eine noch provokantere Mischung an. Vorausgegangen war dieser Demo letzte Woche ein „Infostand“ der NPD in einer Altonaer Einkaufsstrasse (Neue Grosse Bergstrasse), direkt neben türkischen Gemüsehändlern, portugisischen Restaurants und spanischen Bäckern. Dieser Infostand der „lebte“ natürlich nicht besonders lange, sondern wurde beherzt von Stadtteilbewohnern umzingelt und
schließlich abgefackelt. Amüsant war in diesem Fall dann noch, dass die Faschos sich daraufhin doch tatsächlich noch tierisch aufregten, offenbar kamen die nicht aus Hamburg, ansonsten hätten die sich vielleicht einen etwas anderen Standort für ihren „Infostand“ ausgesucht…
Nun denn, die Dumpfbacken meinten also nun, gegen diese „Anarchobanden und gewalttätigen Links- Faschisten“, wie sie Menschen mit mehr Verstand nennen, demonstrieren zu müssen, weil die ihren schönen Stand in der letzten Woche einfach ohne zu fragen kaputtgemacht haben.

Der eigentliche Skandal an dieser Demo am gestrigen Samstag war aber nicht, dass er stattfand (man hat sich ja- leider- fast schon gewöhnt, dass die Faschisten wieder durch Hamburg marschieren dürfen), sondern eher, wo er stattfand. Er sollte nämlich direkt vom Altonaer Rathaus, in direkter Nachbarschaft zu einem jüdischen Friedhof, starten und dann Richtung St.Pauli verlaufen. Die genaue Route:
Palmaille, Breite Strasse, Kirchenstrasse, über die Königstrasse (welche in die Reeperbahn mündet), dann über Mörkenstrasse in die Ehrenbergstrasse zurück zum Platz der Republik, wo die NPDŽler 4 Stunden nach Abmarsch ihre Abschlusskundgebung abhalten wollten. Für die Strecke, die die abmarschieren wollten, benötigt man normalerweise vielleicht 15 Minuten, die werden schon gewusst haben, wieso die dafür 4 Stunden veranschlagt haben…
Aber so weit kam es dann ja doch nicht. Die in der Umgebung wohnenden Menschen machten den Plan der Faschos durch
bloße, massenhafte Anwesenheit zunichte, und ließen sich auch durch das total überzogene Aufgebot der Polizei, die mit Wasserwerfern, Räumpanzern und ähnlichem Gerät die 150 Penner beschützen sollten, nicht davon abschrecken, sich denen unerlaubterweise in den Weg zu stellen („Sie befinden sich auf der angemeldeten Demonstrationsroute, bitte machen Sie die Strassen frei, oder wir werden mit den Wasserwerfern dafür sorgen, dass diese angemeldete Demonstration ordnungsgemäß durchgeführt werden kann…“).
Nachdem die NPD- Schweine unter massivem Polizeischutz zunächst zu ihrem Versammlungsort am Altonaer Rathaus durchgeprügelt worden waren, wurden sie trotz weiträumiger Absperrung aber gleich von einigen Tausend Gegendemonstranten (kein schwarzer Block oder so, sondern eher so eine Art Familienausflug) regelrecht eingekesselt- jedenfalls waren die umliegenden Strassen rund um den S- Bahnhof Altona bis hin zum an der Elbe liegenden Altonaer Balkon gut mit Menschen gefüllt, die da ihren „Samstagsausflug mit Ihren Familien“ verbringen wollten. Durch Knüppeleinsatz der Polizei konnten die Faschos dann aber doch irgendwann in Richtung Palmaille losstampfen (also ca. 200 Meter weit), wo sie dann freudestrahlend mit Obst- und Gemüsestücken verpflegt wurden- wie gesagt, nicht von Leuten, von denen man das eigentlich erwarten würde, sondern echt eher von den sogenannten normalem Volk. Leider- oder eher zum Glück- bietet die Palmaille keinerlei Seitenstrassen, wohin die Faschos hätten ersatzweise ausweichen und ihren Aufmarsch hätten fortsetzen können- denn hinter ihnen waren ebenfalls Menschen aufgezogen, die sie nicht mehr zurücklassen wollten-
naja, und die Palmaille war bereits seit Stunden von wahren Menschenmassen zugestellt. Sah irgendwie lustig aus, wie die Faschos einerseits von Grünen Männchen mit Verstärkung von Wasserwerfern und Räumpanzern, und die wiederum von anderen Menschen umzingelt waren. Diesen friedlichen Protest (denn es wurde,
außer mit Gemüse und Obst- eigentlich nichts geworfen) hatten die Polizeikräfte vermutlich nicht in diesem
Ausmaße erwartet, denn die Faschos hingen dann erst einmal rund eine Stunde, eingekesselt von Gegendemonstranten, in der Palmaille fest.
Nach gut einer Stunde griff die Polizei, die wie gesagt reichlich martialisch mit Räumpanzern und Wasserwerfern auftrat, durch. Allerdings vermochten sie auch damit dann nicht die Palmaille („Sie befinden sich hier auf der angemeldeten Marschstrecke, bitte räumen Sie das Feld…“) von dem bürgerlichen Ungehorsam freizubekommen, und sorgten dann
schließlich dafür, dass sich die Faschos über die Behn- und die Königstrasse in der S- Bahn verpissen mussten- die Faschos ihre Route also absolut nicht abmarschieren konnten (sondern nur einen Weg, den man üblicherweise in 10 Minuten abmarschiert, in zwei Stunden zurücklegen konnten).
Auffällig war, dass sich die Palmaille hervorragend zum Demonstrieren eignet. Durch die enge, recht hohe Bebauung war die
Akustik, die von den 2000 Gegendemonstranten ausging, hervorragend- von den 100 Faschos hat man die ganze Zeit über nichts gehört, deren
„Message“ verhalte im Nebel der Wasserwerfer ungehört. Insofern also ein klasse Erfolg des bürgerlichen Ungehorsams über Faschos und Politik, die ihnen mit der Erlaubnis zum demonstrieren den Weg frei machen wollten.
Mir bleiben nun eigentlich nur ein paar Fragen:
Wie kann der Senat so eine Demonstration erlauben, wie kann sich eine Gruppe, die sich gegen das Grundgesetz ausspricht, dann, wenn es ihr nützt, auf das im Grundgesetz verankerte Demonstrationsrecht berufen?
Und vor allem- wie kann der Senat diese Demonstration ausgerechnet durch Altona erlauben? Es ist für mich einem Wunder gleichzusetzen, dass die Gegendemo friedlich verlief (eigentlich war es auch keine Demo, eher ein massenhaft überall im Stadtteil präsent sein). Das ist mit das unglaublichste an dieser ganzen Geschichte. Da wird von unserem Steuergeld dafür gesorgt, dass 100 Demokratiefeinde sich auf die Demokratie berufen dürfen, und- geschützt von 2000 schwer auftretenden (Räumpanzer und Wasserwerfer gegen Kinderwagen- wo sind wir hier eigentlich?!?) grünen
Männchen durch ein Viertel marschieren dürfen, welches mehrheitlich von Ausländern und deren Freunden bewohnt wird. Ich wünsche bspw. den Berlinern dann mal viel
Spaß bei einer nun wohl zu erwartenden (Grundlage: In Hamburg ging es ja auch) NPD- Demo in Kreuzberg.
Und Hamburg wird von Rot- Grün regiert? Davon merkt man nichts, wenn innerhalb von einigen Monaten erst Faschos in
Barmbek, dann in Bergedorf- und nun ausgerechnet in Altona demonstrieren dürfen- geschützt von Knüppeln und Wasserwerfern. Das ist keine Demokratie mehr!

Hintergrundinfos (alle Hamburger Abendblatt):
Demo der NPD durch
Barmbek: 1, 2, 3, 4
Demo durch Altona: 1, 2

Nieder mit dem Faschismus!

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Spiele

Tabelle

Rang Teams Gespielt Differenziell Tordifferenz Punkte
1 Bielef. 13 29 - 14 15 28
2 hsv 13 30 - 12 18 26
3 VfB 13 20 - 18 2 23
4 FCH 13 21 - 14 7 20
5 Fürth 13 16 - 16 0 19
6 Aue 13 18 - 19 -1 18
7 Sandh. 13 14 - 14 0 17
8 Osnab. 13 14 - 12 2 16
9 D98 13 14 - 18 -4 15
10 Jahn 13 21 - 19 2 15
11 FCSP 13 17 - 17 0 15
12 Kiel 13 15 - 18 -3 15
13 VfL B. 13 23 - 23 0 14
14 1. FCN 13 21 - 27 -6 14
15 KSC 13 20 - 23 -3 14
16 hsv96 13 14 - 22 -8 14
17 SGD 13 14 - 24 -10 12
18 Wehen 13 13 - 24 -11 11