St.Pauli Fanladen
Der St.Pauli Fanladen
Seit nunmehr 9 Jahren existiert der
Fanladen FC St.Pauli. Mit diesem Text wollen wir einen zugegebenermaßen kleinen
Überblick unserer Aufgabenfelder und der täglichen Arbeit darstellen.
Wir über uns!
Um dem abstrakten Wort “wir” mehr
Inhalt zu geben: Wir sind die drei hauptberuflichen Mitarbeiter des “Vereins Jugend &
Sport e.V.” und zuständig für das Fanprojekt FC St.Pauli, namentlich Imme Glockow
(38) [seit einiger Zeit leider nicht mehr, d.T.],
Michael Thomsen (29) und Hendrik Lüttmer (32). Womit schon die nächsten Fragen
auftauchen.
Was ist ein Fanprojekt und was ist der “Verein Jugend & Sport e.V.”?
Fanprojekte gibt es in Deutschland
vereinzelt seit Beginn der 80er Jahre. Zu Beginn der 90er Jahre bildete sich eine Arbeitsgruppe
aus Deutschem Fußballbund, Deutschem Sportbund, Deutschem Städtetag, Innen-, Jugend-
und Sportministerkonferenz, Bundesministerium für Frauen und Jugend sowie Bundesministerium
des Innern. Deren Arbeitsergebnis war das “Nationale Konzept Sport und Sicherheit”.
Dieses umfangreiche Werk (bei uns einsehbar) beinhaltet neben Bereichen wie Stadionordnung und
Ordnungsdienste auch die Konzeption der Einrichtung von Fanprojekten als Teil der Fanbetreuung.
Die Darstellung der Gesamtkonzeption von Fanprojektarbeit im Rahmen des “NKSS” würde zuviel Platz
einnehmen, die Hauptaufgabe des klassischen Fanprojektes läßt sich daher mit dem Begriff
Jugendsozialarbeit am besten beschreiben.
Ziel eines jeden Fanprojektes soll nach den Bestimmungen des nationalen Konzeptes sein,
Negativerscheinungen im Fußball wie Gewalt und Rechtsextreminismus durch pädagogische und
soziale Jugendarbeit entgegenzuwirken. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, bedarf es einer
organisatorischen und finanziellen Basis.
Unabhängigkeit
Fanprojekte sind nicht ein Teil des jeweiligen Fußballvereins, sondern werden von unabhängigen
Trägern eingerichtet. In Hamburg ist dies der “Verein Jugend & Sport e.V.” als Träger der
Projekte FC St.Pauli und HSV. Im Verwaltungsrat sitzen Vertreter des Amtes für Jugend, des
HSV, des FC St.Pauli, der Polizei, der Hamburger Sportjugend, des Hamburger Sportbundes und der
Fans beider Vereine (für unsere Fans ein Mitglied des Sprecherrates der Fanclubs).
Finanzierung
Im Rahmen des “NKSS” werden die Fanprojekte über die sogenannte Drittelfinanzierung getragen,
je ein Drittel übernehmen das Land, die Stadt und der DFB. Wir drei sind somit Angestellte beim
“Verein Jugend und Sport e.V.” und werden als MitarbeiterInnen einer Einrichtung der Jugendhilfe tariflich
bezahlt.
Gerade letzteres ist uns sehr wichtig, da immer wieder Gerüchte auftauchen, wir würden durch den
Verkauf von Fanartikeln oder durch die Organisation von Auswärtsfahrten in die eigene Tasche
wirtschaften. Sämtliche Einnahmen aus Verkauf und Fahrten dienen ausschließlich dem
Erhalt des Fanladens (z.B. Mietkosten) und/oder fließen in die Finanzierung von Angeboten
für Fans zurück!
Was machen wir?
Gemäß unserer Entstehungsgeschichte als ein Projekt, welches sich aus der Fanbewegung beim FC St.Pauli selbst
heraus entwickelt hat, unterscheidet sich das Fanprojekt St.Pauli in vielen Dingen von den Projekten in anderen
Städten.
Fanartikel:
Zunächst einmal haben wir ein nicht unerhebliches Sortiment an Fanartikeln, welches sich größtenteils
sowohl vom Design als auch preislich vom offiziellen Angebot unterscheidet. Die steigende Kommerzialisierung
im Angebot und der Preisstruktur von Fanartikeln wollen wir nicht mitmachen.
Auswärtsfahrten:
Wir bieten zu jedem Pflichtspiel des FC St.Pauli Fahrten mit Bus oder Bahn an. Die Preise richten sich nach der
geschätzten Anzahl der Mitreisenden. So wird zum Beispiel ein Bus mit 49 Plätzen von uns immer mit 40
Personen kalkuliert, um das Risiko zu minimieren. Durch Überschüsse aus den Fahrten
können andere Fahrten billiger gestaltet werden.
Fan-Clubs:
Die Verwaltung der rund 100 Fanclubs obliegt bis heute dem Fanladen. Dies soll sich allerdings in nächster Zeit
ändern. Der erstmals gewählte Sprecherrat der Fanclubs ist dabei, seine Arbeit aufzunehmen und den
Fanladen durch die bisherigen Aufgaben (Rundbriefe, Turniereinladungen, Delegiertenversammlungen)
demnächst zu entlasten. Bis dies soweit ist, bleibt der Fanladen zuständig für
alle anfallenden Anfragen, z.B. Fanclub- Gründung.
U-16:
Ein besonderes Tätigkeitsfeld ist das für unsere Fans unter 16 Jahren. Neben betreuten Auswärtsfahrten
(Alkohol- und Rauchverbot) gehören hierzu auch Jugendfußballturniere und andere Angebote.
Support- Group:
Die Mitglieder der Supportgroup sind über den Fanladen zu erreichen. Gemeinsam versuchen sie neue Ideen für
Choreografien, Songtexte und anderen Support im Stadion umzusetzen. Sie treffen sich immer dienstags nach einem
Heimspiel im Fanladen.
Dies sollen nur Ausschnitte aus unserer Arbeit sein. Natürlich ist es ein zentraler Aspekt, rund um die Spiele
für die Fans da zu sein (auch im Container hinter der Nordkurve), Fragen zu beantworten, bei Problemen zu
helfen oder bei Auswärtsspielen Schwerigkeiten zwischen unseren Fans und den
Ordnungskräften vor Ort zu schlichten. Dabei profetieren wir natürlich auch von dem
gegenüber anderen Vereinen noch immer als vorbildhaft zu bezeichnenden Verhalten der
braun-weißen Anhänger. Doch denkt bitte immer daran: Wir sind nur zu dritt und
können nicht überall sein. Doch wer persönliche Probleme hat oder sich einfach nur
einmal über den Verein oder andere Fans, über uns oder sonst was beschweren will, kann
dies bei uns jederzeit tun. An dieser Stelle hilft uns auch unser guter Kontakt zum FC St.Pauli,
der unsere Arbeit immer sehr geschätzt hat und durch seine Bereitschaft zur Kooperation mit
uns und den Fans immer sehr dazu beigetragen hat, daß die Fanbetreuung beim FC St.Pauli
einen besonderen Stellenwert genießt.
Unsere Ladenkneipe ist an vier Nachmittagen und rund um die Heimspiele geöffnet und jederman/frau ist immer herzlich
eingeladen, uns einmal zu besuchen.
Neben kühlen Getränken erwartet euch auch ein ausführliches Sortiment an Fanzeitungen aus dem gesamten
Bundesgebiet.
Wir werden zwar immer wieder gefragt, warum wir nicht länger geöffnet haben, doch bitte bedenkt dabei,
daß wir außerhalb der Öffnungszeiten auch noch viele andere Termine haben, den
Geschäftsbetrieb aufrechterhalten, Projekte vor- und nachbereiten etc. etc.