„Nachfolgeeinrichtung“ des Fixstern bezieht Standort auf der Brammerfläche

Am heutigen 2.Januar 04 wurde termingerecht die sogenannte Nachfolgeeinrichtung für den Fixstern im Schanzenviertel installiert.
Allerdings nicht nur, wie bereits ausführlich kritisiert, ohne Konsumraum und – bei diesen Temperaturen umso gravierender – ohne Cafe und Wärmestube, sondern auch die geplante Aufstellung der ausrangierten Container des Drob Inn konnte nicht gewährleistet werden.
Dafür wurde der ehemalige Spritzentausch-Bus von „freiraum“ hamburg e.V. (mit dem Logo des ehemaligen Trägers) vom ehemaligen Busfahrer des „freiraum“-Busses vorgefahren.
Begrüßt wurde das Fahrzeug von gekündigten MitarbeiterInnen von „freiraum“ hamburg e.V., die ihre Arbeitskraft anboten sowie Mitgliedern des Stadtteilbündnisses „Fixstern bleibt!“, die mit Plakaten auf die Defizite des von der Gesundheitsbehörde konzipierten „Übergangsprojektes“ hinwiesen. Die Polizei erkannte darin eine nicht genehmigte Versammlung und nahm die Personalien der TeilnehmerInnen auf.
Fotos von der Aktion auf unserer Homepage unter www.fixstern-bleibt.de.vu/bus_foto.htm

Kontakt:
Stadtteilbündnis „Fixstern bleibt!“ z.Zt. nur per email
SPENDENKONTO: Rolf Becker – „FixStern bleibt“, Bank: HASPA (20050550),
Kto.-Nr. 1230 459 297
Email: fixstern-bleibt@gmx.de
Homepage: www.fixstern-bleibt.de.vu


Die Nachfolgeeinrichtung des Fixstern, die zwar medizinische Grundversorgung und Beratung anbieten soll, aber auf einen niedrigschwelligen Bereich – Cafe und Konsumraum – verzichtet, ist das Produkt eines faulen politischen Kompromisses.

Ziel der Einrichtung ist nicht Hilfe für die KonsumentInnen, sondern deren Verdrängung. In „enger Kooperation“ mit der Polizei soll dafür gesorgt werden, dass die Drogenszene bis 2005 aus dem Schanzenviertel verschwindet. Ist dieses erreicht, soll der Betrieb der eigens errichteten „Interims“- Einrichtung, so die Planung, wieder eingestellt werden. Das Stadtteilbündnis „Fixstern bleibt!“ fordert nach wie vor den Erhalt des Fixstern einschließlich Konsumraum.

Die Schließung des Fixstern zum Ende des Jahres stellt auch für die an irrationalen Entscheidungen nicht arme Hamburger Drogenpolitik ein Novum dar.

Täglich suchen 200 bis 250 Menschen den Fixstern auf, das sind 64.000 Kontakte im Jahr. Die DrogenkonsumentInnen haben hier die Möglichkeit, preiswert zu essen und zu trinken, Wäsche zu waschen, zu duschen, juristische, soziale und medizinische Beratung zu bekommen. Sie werden u. a. zu Ärzten, in die Heroinambulanz, in Krankenhäuser, in psychosoziale Betreuung, Entzugskliniken und Therapieeinrichtungen vermittelt. Ohne diese Erstversorgung gäbe es für viele KonsumentInnen sehr viel weniger Möglichkeiten, sich für den Ausstieg aus der Sucht zu entscheiden.

Im letzten Jahr gab es im Fixstern 79 Drogennotfälle, die ohne Erste-Hilfe-Maßnahmen tödlich hätten enden können. Im Fixstern wurden 5000 medizinische Versorgungen durchgeführt, hauptsächlich Wundversorgungen und Beratungen, die von praktischen Ärzten und Krankenhäusern nicht abgedeckt werden.

Im Jahr 2002 wurde der Gesundheitsraum 35.000 mal genutzt, d.h. 35.000 Mal wurde nicht im öffentlichen Raum konsumiert. 200.000 Spritzen wurden getauscht. Ein großer Teil dieser Spritzen würde ohne Tauschmöglichkeit unkontrolliert entsorgt werden.

Hier soll eine Einrichtung geschlossen werden, nicht weil ihre Arbeit als qualitativ schlecht beurteilt wird oder weil ihre Konzeption vermeintlich oder tatsächlich an bestehenden Bedarfen oder Nachfragen vorbeigeht, sondern allein, weil mit dieser Schließung eine Partei des derzeitigen Regierungsbündnisses glaubt, einen symbolischen Erfolg ihrer Politik markieren zu können.

Nachdem entsprechende Überlegungen für St. Georg (Verlegung des Drob Inn in den Freihafen) verworfen wurden, soll nun offensichtlich das Schanzenviertel den erwünschten Erfolg liefern, indem man mit der Schließung des Fixstern ein Exempel statuiert. Der Hamburger Drogenhilfe wird mit diesem Akt der Weg für die nächsten Jahre aufgezeigt: Von 500.000 EUR, die die Behörde für Umwelt und Gesundheit 2004 einsparen soll, werden 323.000 EUR allein im Drogenbereich gestrichen (Senatsmitteilung vom 14.10.03). Die KonsumentInnen werden jedoch nicht deshalb verschwinden, weil die Hilfeeinrichtung verschwunden ist. Sie werden mit ihren Problemen allein gelassen, genauso wie die AnwohnerInnen mit den ihren.

Die einzige Lösung dieser Probleme scheint massive Polizeipräsenz zu sein. Die finanziellen und sozialen Kosten einer solchen Maßnahme sind immens und das Drogenelend wird lediglich verdrängt.

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