Polizei rüstet sich für die WM

Meine Fresse. Was für ein Nichtsblickerartikel in der Welt am Sonntag…:

Gewaltbereite Hooligans und der Schutz des in Hamburg wohnenden US-Teams stellt die Sicherheitskräften vor Probleme

Welche gewaltbereiten Hooligans?

Andere Ausrüstung wie Leuchtpunktvisiere für Schußwaffen, die bundesweit bei Spezialeinheiten Standard sind, wird es vermutlich aber nicht geben. Dabei liegen die Vorteile des modernen Systems auf der Hand: Die Treffsicherheit wird erhöht. (…) Daß die Hamburger Kollegen diese Visiere nicht bekommen, ist für den Landesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lenders, ein „Armutszeugnis“.

Genau! Immer feste drauf! Und im Zweifelsfall halt gleich ganz zielgenau abballern!

Auch in der Ausbildung sei man „deutlich weiter als früher“. „Wir üben regelmäßig relevante Szenarien“, sagt Born. So proben die Polizisten, wie man einen Bus oder einen S-Bahnwaggon voller Randalierer räumt oder wie man einer Massenschlägerei begegnet.

Das kann ich bestätigen. U-Bahnen werden scheinbar öfter geräumt, und auch auf ansich friedlichen Demonstrationen wird ja gerne mal ein bischen geübt, wie man diese am besten zur Eskalation bekommt. Beispielsweise durch völlig unsinnige Demonstrationsauflagen wie „kein Hüpfen“ oder „kein Laufen“, in Verbindung mit dem Verbot von Seitentransparenten (Transparente machen halt nur Sinn, wenn man sie auch von ausserhalb einer Demo lesen kann…) oder der permamenten Wanderkesselbegleitung, deren Rechtmässigkeit schon mehrfach für eben nicht rechtmäßig erachtet wurde – nur macht es nach einer Demonstration keinen besonderen Sinn mehr, gegen die Unrechtmäßigkeit während der Demonstration zu klagen…

Das ist für viele Polizisten allerdings noch graue Theorie. Harte Auseinandersetzungen, beispielsweise bei Demonstrationen, hat es in Hamburg in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Auch die Aufzüge im Zusammenhang mit der Räumung des Bauwagenplatzes „Bambule“ stellten die Polizei kaum vor größere Probleme. An die Härte der Auseinandersetzungen, wie es sie beispielsweise 1994 im Karolinenviertel oder davor rund um die Hafenstraße gegeben hatte, kamen die Konfrontationen der vergangenen Jahre nicht ansatzweise heran.

Wie denn, was denn? Auf einmal waren die Bambuledemonstrationen kein Hort gewaltgeiler Strassenkämpfer mehr, die unsere schöne Stadt in Schutt und Asche und komplette Innenstadtbereiche entglasen wollten? Ja, waren die denn nicht dafür verantwortlich, dass die Polizei aufrüsten musste, um mit den „Steinewerfenden Chaoten“ (Zitat) fertigzuwerden?
Wenn das nicht ansatzweise dem erwartetem WM-Szenario entspricht – was für bürgerkriegsänliche Zustände werden denn dann von der Polizei erwartet? Panzerfausttragende Strassenkämpfer, denen man nur mit dem tödlichem Leuchtpunkt moderner Waffen gegenüber (be/ge)wa(ff/pp)net gegenübertreten kann? Nein, nicht doch:

Das große Problem: Die Polizei wird nicht wie bei Demonstrationen den Fans präventiv mit Schlagstock und Schutzschild gegenübertreten können. Auch das Vorgehen der Polizei wird differenzierter sein müssen. Sonst sieht Lenders die Gefahr, daß sich bis dahin friedliche Fans mit Randalierern gegen die Polizei solidarisieren.

Achnee… und wieso wird dieses Konzept nicht bei jedem Bundesliga- und Regionalligaspiel in Hamburg bereits jetzt angewendet, man hat es doch offenbar erkannt? Nee, dort wird weiterhin vermummt und knüppeldrohend (oder auch gerne mal gleich zuschlagend) aufmarschiert, natürlich nicht von den Fussballfans, sondern den „Beschützern in Grün“…

Das hat es in der Vergangenheit mehrfach gegeben. Anfang der neunziger Jahre war es so auf der Reeperbahn zu einer der blutigsten Straßenschlachten in der Hamburger Nachkriegsgeschichte gekommen. Angetrunkene Randalierer, darunter Familienväter und viele Jugendliche, hatten sich stundenlange Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Viele hatten sich einfach mitreißen lassen. 70 Beamte wurden verletzt.

Ähm, die WAMS meint jetzt aber nicht etwa die Faschos, die nach dem WM-Sieg die Hafenstrassenhäuser angegriffen haben? Jaja, diese netten Familienväter… alles eigentlich gar keine Faschos, sondern nur Mitläufer, die sich haben mitreissen lassen… ja, von wem denn eigentlich mitreissen?

Auch bei der kommenden Fußball-WM wird die Polizei bei Rechtsverstößen durch Hooligans niederschwellig einschreiten.

Ahja… Was das bedeutet, kriegt man ja auch jetzt schon mit. Bundesweites Stadionverbot, verbunden mit einem Eintrag in die Datei Gewalttäter Sport und damit einhergehendem Ausreiseverbot, weil man auf dem Weg ins Stadion über eine rote Ampel ging, oder weil man gegen einen Baum gepinkelt hat, oder weil man einfach nur an der falschen Strassenecke stand, die sich im Nachhinein als Nebenplatz eines polizeibekannten Gewalttäters entpuppte (den man weder kannte, noch ansprach oder sonstwas). Rechtsmittel dagegen? Gibts nicht. Ja, schon toll, diese netten Gesetze.

Deswegen kritisiert Lenders, daß das Mobile Einsatzkommando jetzt erst für solche Aufgaben ausgerüstet wird.

Jo, echt scheisse, wie gerne hätten diese Einheiten schon jetzt ein bischen damit geübt… bei Demonstrationen, oder eben auch beim Fussball…

Außerdem wird das MEK stark in die Abwehr einer möglichen terroristischen Bedrohung eingebunden sein. Daß die Beamten der Spezialeinheit gerade bei der Bewaffnung dem Standard hinterher hinken, ist für Lenders deshalb nicht nachvollziehbar.

Ob diese netten Leuchtpunktzielfernrohre denn bei einem teroristischen Anschlag helfen würden? Welcher Terrorist kündigt seinen Terroranschlag vorher an und sagt – hier bin ich, hier bitte das rote Pünktchen hinhalten! – und wem wollen die damit eigentlich abschrecken?!
Infos zur „Datei Gewalttäter Sport“, und wie man dort auch als friedlicher Familienvater hineingelangt, der eigentlich gar nichts mit Fussball am Hut hat.

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