Wie eine Minderheitenzeitung andere Minderheiten ausschliesst…

3. November 2001 | Von | Kategorie: Kolumne

Ich habe, da ich dieses Projekt für unterstützenswert halte, seit 11.10.2001 ein Banner der Hamburger Strassenzeitung „Hinz und Kunzt“ bei mir in die Bannerrotation eingebunden. Hinz und Kunzt setzt sich für die Akzeptanz von Minderheiten (vornehmlich Wohnungslosen) ein.
Mitlerweile überlege ich mir jedoch, dieses Banner wieder von meiner Seite zu verbannen. Mir wurde bisher leider, trotz Einlasserbitten, ein Besuch der betreffenden Webseite nicht erlaubt, sondern mir stattdessen schlicht mitgeteilt, ich sei dort als Minderheit unerwünscht und solle mich doch bitte vor dem Betreten der Seite einer Mehrheit anschließen.

Hinz & KunztDie Seite, die ich zu sehen bekam, befindet sich auf …fehler/versions_fehler.html. Kernaussage dieser Seite: „Bis Du enen uns genehmen Browser verwendest, kannst Du Dich wieder verpissen, Du bist auf unserer Webseite unerwünscht!“.

Mein Browser könnte die betreffende Seite allerdings ohne jedes Problem anzeigen, wenn ihm (und damit mir) nicht durch diese extra programmierte Zugangskontrolle dieses verboten würde. Ich sehe die eigentliche Seite ja immer- für etwa eine Sekunde, bis mich die extra programmierte Browserabfrage unsanft darauf hinweist, dass ich doch gefälligst einen anderen Browser installieren soll, wenn ich das Angebot von Hinz und Kunzt nutzen möchte. Die entsprechende Browserabfrage verlangt nach einem Browser der Version 4 oder besser. Mein Browser trägt die Version 5.2.
Ich nutze Opera, zugegeben ein Minderheitenbrowser. Mein Browser unterstützt, wenn ich es möchte (und auf der Hinz und Kuntseite wollte ich es) alle releanten Webtechnologien. Angefangen bei Javascript über Java und Flash bis hin zu Cookies und Stylesheets. Nochmal, mein Browser zeigt die Seite für jeweils eine Sekunde fehlerfrei an.

Problem dieser Browserabfrage: Es wird nicht untersucht, welche Technologien ein Browser unterstützt, sondern es wird nur danach gefragt, ob man einen Microsoft Internet Excplorer oder einen Netscape Navigator verwendet. Warum Nutzer anderer Browser auf der Webseite der Obdachlosenzeitung Hinz und Kunzt jedoch nicht erwünscht sind, erschloss sich mir dennoch nicht.

Da ich dementsprechend den Hintergrund dieser unverschämten Ausschluß- Seite nicht verstand, fragte ich daher am 14.10. bei Hinz und Kunzt an, ob man diese Abfrage denn nicht deaktivieren könne, da sie Besucher unnötigerweise vom Besuch der Webseite ausschliesse. Am 15.10. erhielt ich dann eine erste Reaktion- man verstand mein Problem nicht. Ich erläuterte es daraufhin so genau, dass in Webworker mein Anliegen verstehen müsste. Ich wies auf die Anybrowser- Kampagne hin.
Aber ich hörte seitdem von Hinz und Kunzt nichts mehr. Die Browserabfrage existiert heute, 2 Wochen nach meiner Anfrage, noch immer, und ist unverändert darauf ausgelegt, nicht die verwendeten (und auf der Webseite zwingend! notwendigen) Technologien abzufragen, sondern fragt weiterhin ab, ob ich mich einer Mehrheit angeschlossen habe, und einen Netscape- oder Microsoftbrowser mit nicht unerheblichen Sicherheitslücken und mangelnden Anpassungsmöglichkeiten installiert habe.

Es mutet mir seltsam an, wenn eine Zeitung einer Minderheitengruppe, die um Verständnis für diese Minderheit werben möchte, ihrerseits eine andere Minderheit ausschliesst.

Der Banner wurde bisher 9.330 mal angezeigt. Bei 10.000 Einblendungen werde ich den nun voraussichtlich aus der Bannerrotation entfernen, sollte sich bis dahin nichts an der Praxis der Browserdiskriminierung (und damit Besucherdiskriminierung) geändert haben. Ich kann keine Webseiten unterstützen, die mich nicht als Besucher haben wollen.
Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Ich erwarte (und will) es nicht, dass eine Webseite auf Operabrowser optimiert wird. Das ist auch nicht nötig. Sie sollte lediglich benutzbar (aufrufbar) sein und nicht, wie bei der Hinz und Kunzt- Seite geschehen, auf Nichtbenutzbarkeit „optimiert“ werden.
Das die Seite von Hinz und Kunzt mit einem Opera nicht nur aufrufbar und benutzbar wäre, sondern auch noch exakt so aussehen würde wie auf einem IE, macht es nur noch unverständlicher, warum ich die Webseite mit einem Opera nicht besuchen darf.

Der Link dieses Artikels ging zeitgleich als ereits von mir veröffentlichter Leserbrief an diese Zeitung.

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Ein Kommentar
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  1. Oh mein Gott hast du Probleme, Kiki !

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