Neues Vermarktungskonzept oder ‚Wann bekommt der Rohbau eine Deckenverkleidung?‘

26. April 2001 | Von | Kategorie: Kolumne

Soso. Unser neuer Vermarkter, beheimatet im 11. Stock des Bavariahochhauses, hat also sein neues Vermarktungskonzept vorgestellt. Toetzke meinte hierzu folgendes: „Besonders wichtig bei allen Neuerungen im und um den FC St. Pauli sei der Kontakt zur Basis.“
Diese Basis definiere ich dann offenbar etwas anders wie Toetzke.


Geplant ist laut HA und Mopo folgendes:
Beispielsweise soll auf der Reeperbahn ein Fanshop eingerichtet und Tankstellen (ja, richtig gelesen) gebaut werden. Paßt ja wunderbar zum „alternativen Ökoclub St.Pauli“, und ist in der momentanen Benzinpreis- Situation sicherlich auch enorm Imagefördernd, eine Tankstelle betreiben zu wollen… Ferner soll das jetzige, kostenlos verteilte, Stadionmagazin „Pauli“ (bähbäh!) zu einem 14tägigem „Stadtteilmagazin“, was am Kiosk verkauft werden soll, umgewandelt werden- will ich ein Szenemagazin oder mich über den Stadtteil informieren, würde ich mir jedenfalls bisher die Szene Hamburg kaufen, oder mich in dem kostenlosen STEG- Werbeblättchen „Quartiersnachrichten“ informieren- dafür brauche ich kein bisheriges Stadionwerbeheftchen.

Als „Vermarktung an der Basis“ ist bisher folgender dreistufige Vermarktungsweg angedacht:

  • Stufe 1, das sogenannte „Herz von St.Pauli“:
    6 bis 8 Unternehmen, auf die 100 Prozent der TV- relevanten Werbefläche aufgeteilt werden soll. 2 dieser Partner sind Astra (nicht mehr als Trikotsponsor, ein neuer soll bis 30. Mai präsentiert werden) und kappa. Ihnen wird Branchen- Exklusivität zugesichert. Hierfür zahlen sie in der 1. Liga für eine 18-Meter- Bande an der Innenseite der Haupttribüne 249.000,- DM- in der 2. Liga immerhin noch 79.000,- DM. Der Trikotsponsor muß in der 1. Bundesliga 3,5 Millionen und in der 2. Liga 1,5 Millionen für die werbliche Präsenz bezahlen.
  • Stufe 2, die sogenannten „Stammspieler“:
    30 bis 50 Unternehmen, die in den nicht fernsehwirksamen Bereichen des Stadions vertreten sind. Diese zahlen hierfür je nach Ligazugehörigkeit 11.999,- bzw. 9.999,- DM pro Saison.
  • Die 3. Stufe stellt „Der Starclub“ dar:
    200 bis 300 Unternehmen, die eine Dauerkarte mit VIP- Containernutzung erwerben, welche 2.400,- bzw. 2.900,- DM kosten soll.

Nun frage ich mich allerdings, was daran der angesprochene „Kontakt zur Basis“ sein soll. Unter Kontakt zur Basis stelle ich mir eher etwas wie den Fanladenbus vor, der nicht nur Geschäftsleuten, sondern auch Privatpersonen die Möglichkeit gab, sich mit einem geringem Geldbetrag an der Beschaffung zu beteiligen.

Dachverkleidung, von Fans finanziert?Beim Verein könnte das ganze so aussehen, dass im Stadioninnenbereich, bspw. an der Stahlrohrkonstruktion unter der Gegengeraden, „hängende Deckenverkleidungs- Werbebanden“ angebracht werden könnten, die einmal rund ums Stadion verlaufen, und wo sich jeder Fan bspw. pro 100,- DM eine Fläche von 1 x 3 Meter „kaufen“ kann, die er dann nach seinen Ideen bei einem „Projekttag Stadioninnenbandenbemalung“ (vor der Südkurve? Auf dem Heiligengeistfeld?) selbstständig nach seinen Vorstellungen bemalen darf.
Sofern mit den entsprechenden Leuten vorher abgestimmt wird, dass keine Konkurenzprodukte der zukünftigen Exclusiv- Werbepartner dargestellt werden dürfen, sehe ich da kein großes Problem (von der Organisation abgesehen).

Jetziger Baustellencharme der GegengeradenunterseiteNeben dem ideellen Wert, etwas für seinen Verein getan zu haben, würde das die bisher recht unfreundlich wirkende Stahlkonstruktion der Gegengeraden sicherlich wesentlich bunter, freundlicher erscheinen lassen. Das wäre dann wirklich mal etwas wie „Kontakt zur Basis“, den ich bei einem jetzigen Mindestwerbevolumen von mindestens 2.400,- DM für mich jedenfalls nicht mehr sehe(n kann). Mal davon abgesehen, dass ich mich von Haupttribüne und VIP- Container nicht wirklich angezogen fühle, und deswegen selbst dann nicht mein Geld an den Verein überweisen würde, wenn ich 2.400,- DM entbehren könnte.

Mal angenommen, es fühlten sich 100 Fans dazu bemüßigt, durch den eher ideellen Wert von bspw. 100,- DM etwas zum „Gesamtkonzept basisnaher Vermarktung“ beitragen zu wollen- was ich für eine realistische Zahl halte- wären das für den Verein 10.000,- DM Mehreinnahmen (nun weiß ich allerdings nicht, was 300 Quadratmeter Dünnblech in der Herstellung kosten)- will der Verein auf das Geld wirklich verzichten und als die zukünftige Basis des Vereins wirklich die Leute im VIP-Container ansehen?

Ein Kommentar
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  1. Deine Idee ist bestimmt nicht schlecht, aber bestimmt nicht im Interesse von Kollege Toetzke.

    Was der unter „Kontakt zur Basis“ versteht, das kann man sich seit 1996 jedes Jahr bei den HEW-Cyclassics anschauen.

    Das großartig als „Rennen für Jedermann“ ausgeschriebene kollektive Beinbrechen von tausenden von Amateurradfahrern als Beiprogramm zum Profirennen ist das beste Beispiel.
    Da zahlt man knappe 100,- DM für ein T-Shirt, ne Portion Nudeln und ne Wasserflasche, um sich dann mit anderen Geistesgestörten 160 km auf der Mönkebergstrasse nen Sprint um die Plätze zu liefern, bei der dann die Zeitmessung nicht funktioniert. Katastrophale Organisation und Schweinepreise.
    Wenn Du bei den örtlichen Vereinen ne Ähnliche Veranstaltung fährst, zahlst Du 10,- DM und die kümmern sich noch anständig um Dich, wenn was passiert.

    Toeztke interessiert nicht der Kontakt zur Basis, sondern die Kohle der Basis.
    Und mal ehrlich. Wo wäre Herr Toetzke denn, wenn St. Pauli nicht so eine geniale Saison hingelegt hätte? Der schnüffelt doch nur das Geld. Für den bedeutet St. Pauli doch: wenig Einsatz, viel Abzocke. Angetreten ist er als „Event-Manager“ eines potentiellen Regionalligaclubs und jetzt tanzt er vielleicht in der 1. Liga. Wenn Pauli am anderen Ende der Tabelle stehen würde, könntest Du jetzt kein Geblubber von „Basis“ und „revolutionellen“ Ideen hören.

    Für den ist Pauli ne Gelddruckmaschine. Solange man das im Auge behält, weiß man auch welche Intention dahinter steht, das Stadionmagazin mit tollen Artikeln über den Stadtteil (und Werbung) aufzublasen. Du darfst dann Dein Stadionmagazin im Stadion für 5,- DM käuflich erwerben, um die geballte Information lesen zu dürfen.

    Bis denne und möge uns St. Pauli vor noch mehr Toetzkes verschonen.

    Gruß

    Wolle

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