Pokalhalbfinale – Geschichte wird gemacht!

27. Januar 2006 | Von | Kategorie: Berichte

Ouf, ich schwebe! Ich fühl mich wie unter Drogen… Am gestrigen Mittwochabend, es war der 25.01.2006 gegen – keine Ahnung, irgendwann am späten Abend, oder eigentlich gar nicht so späten Abend – denn St. Pauli brauchte nur 90 Minuten, keine Verlängerung, noch nichtmal einen Elfmeter – nun, jedenfalls hat St. Pauli am gestrigen Abend etwas bisher unerreichtes geschafft: Sie zogen anstelle von Werder „Wir spielen sonst nur auf einem Golfplatz Fußball!“ Bremen in das DFB – Pokalhalbfinale ein!
DFB – Pokal – Halbfinale. Das klingt wirklich nett. Hm. Nett umschreibt es nicht richtig. Man fühlt sich wie in einem anderen Leben. Einem Leben, wo ein Verein namens FC St. Pauli erfolgreichen Fußball spielt. Bspw. in ein Halbfinale gegen scheinbar übermächtige Gegner einzieht. Burghausen? Nen kleinen Dorf an der Grenze zu Österreich. Bochum? Och, bloss nen bis dahin ungeschlagener Zweitligist… und dann noch Hertha BSC Berlin? Die sind bloss ein Erstligist und spielen im UEFA – Cup, habe ich mir sagen lassen. St. Pauli, nachdem sie nun den Erstligisten Werder Bremen, der auch irgendwie auf internationalem Paket spielen soll, wohl auch bald. Fehlt mit ein bischen Glück nur noch ein einziger Sieg, dann muß man sich nicht mehr mit solchen Gegnern abgeben, sondern hat endlich internationale Teams, vielleicht ja aus dem skandinavischen Raum? Die haben dann auch weniger Probleme damit, daß im Winter gelegentlich mal Schnee fällt… Achja, wofür gibt es eigentlich im Fußball diese Nichtweißen Bälle?

Man, was haben die Bremer Offiziellen vor und nach dem Spiel rumgepöbelt. Der Platz sei unbespielbar, es sei ein Skandal, dass angepfiffen wurde, und die Verletzungsgefahr sei ja auch viel zu gross. Hey, Leute, Fußball ist ein Freiluftspiel (jedenfalls fast überall in Deutschland…), da ist es vollkommen normal, daß man an einem 25. Januar auch mal ein Schneekorn abbekommt. Und das dieser bei Frost dann vielleicht sogar auch mal liegen bleibt. Kann ja nicht jeder auf einem beheizten Golfplatz Fußball spielen – was für Snobs. Legen nun Protest ein, weil sie ausgeschieden sind – bzw. haben schonmal vorab ihre Entschuldigung für das offenkundig als möglich empfundene Ausscheiden als Protestnote an den DFB formuliert, diese Bremer Schönwetterfußballer. Schade, die waren mir bisher eigentlich relativ symphatisch, rangierten deutlich von „irgendein anderer Verein, der mir egal ist“ entfernt, nun sind sie leider nur noch ein weiterer Verein unter vielen, denen es offenkundig fremd zu sein scheint, daß Fußball ein Freiluftsport ist, der dummerweise auch mitten im Winter ausgetragen wird.
Mir wäre es auch lieber gewesen, das Spiel bei sonnigen 20 Grad anzuschauen, heul ich deswegen rum? Nein, ist nicht, ich war froh, dem Spiel im Stadion beiwohnen zu dürfen, ebenso wie die Spieler gänzlich unüberdacht und nervlich kurz vorm Zusammenbruch.

Was war das eigentlich, was meine Augen da sahen? Bremen unglaublich lustlos, offenkundig ausserstande, das Spiel in den ersten 30 Minuten überhaupt mal anzunehmen und zu realisieren, daß ein orangener Ball (selbst die Farbe stimmte doch für die Bremer, was wollen die noch?!) nicht nur für Spiele im dicksten Nebel, sondern vielleicht auch für Spiele auf Schnee geschaffen wurde. Kein Einsatzwillen, lustloses herumgestolpere – da hatten die Bremer Verantwortlichen ihren Millionären vorab ja eine schöne Ausrede hingelegt, wollten wohl alle bloß Verletzungen vermeiden, und spielten deswegen ohne Einsatzwillen. Ganz anders der glorreiche FC St. Pauli (nein, ich muß hier zum Glück nicht objektiv schreiben, hier nicht!), der bereits nach wenigen Sekunden die erste große Torchance vergab – wohl nur aufgrund der schlechten Platzqualität konnte sich Werder Bremen noch einige Minuten an einem 0:0-Zwischenstand erfreuen, andernfalls hätte St. Pauli halt schon da das 1:0 erzielt…

Ouf. Gerne würde ich jetzt direkt weiterschreiben, aber leider ist mal wieder meine Seite nicht erreichbar, und das geht schon seit dem Spieltag so, daß die Seite ständig offline ist. Mal ist sie schlichtweg überlastet (reagiert also nicht mehr auf Anfragen, die Verbindung zum Datenbankserver geht flöten, oder aber sie lädt und lädt und lädt – jetzt aktuell kriege ich zur Abwechslung mal ein „403 – Forbidden“ zurückgeliefert, auf der Startseite prangt ein „Diese Internetseite befindet sich derzeit noch im Aufbau, bitte versuchen Sie es später noch einmal“ in Verbindung mit schöner Hosteurope – Werbung. In diesem Fall ist das für Hosteurope dann wohl eher Antiwerbung, wie kann das sein, daß eine Seite ausgerechnet während und nach dem größten Vereinserfolg des FC St. Pauli nicht erreichbar ist? Die sollten sich was schämen, sollten die sich. Die Service – Telefonnummer von Hosteurope läßt bei mir übrigens auch nur ein „Störung“ auf dem Display meines Telefons erscheinen, die sind also mal wieder vollständig am abkacken, was für ein Schrotthoster. An die ständigen MySQL – Verbindungsabbrüche bei denen habe ich mich ja bereits gewöhnt (leider kommt sowas ja nun schon bald täglich vor), aber dieses „Seite befindet sich noch im Aufbau“ kotzt mich gerade echt mördermäßig an, das ist wohl die übelste Fehlermeldung, die man einem Kunden anbieten kann, wenn die eigene Infrastruktur nur noch Schrott zu sein scheint. In den Zeiten, wo meine Seite gerade kurzzeitig mal erreichbar ist, haben sich die Zugriffe jedenfalls knapp verfünfzigfacht, bloss insgesamt reicht es nun nur noch zu einer Verzehnfachung, weil die Seite halt größtenteils eben nicht erreichbar war, dank des Hosters Hosteurope. Da wird man sich für das Halbfinale (und ganz allgemein, ist ja nicht nur dann so, dass es ständige Probleme mit der Connectivity gibt) was anderes ausdenken müssen. Ne abgespeckte Version oder so… Jedenfalls ist meine Seite jetzt erstmal providerseitig abgeschaltet worden, die Serverlast sei zu hoch…
Es scheint fast so, als sorge dieser größte Erfolg des FC St. Pauli in der Vereinsgeschichte sich durchs gesamte Leben und führe in der geordneten Welt da draussen zu völligem Chaos. Schon gestern waren praktisch alle St. Pauliseiten nicht mehr erreichbar, heute kommt nun also auch noch die telefonische Nichterreichbarkeit dazu, nicht übel für einen Regionalligisten. 😉

Nun gut, kommen wir zurück zum Spiel und dem sonstigen Geschehen rundherum, also weg von Telefon- und Internetausfällen, das Leben spielt schließlich nicht virtuell, sondern ganz real, im Stadion also.
Und dort spielte es wirklich reichlich früh. Ich habe selten das Millerntor so früh schon so voll erlebt wie bei dem Spiel gegen Bremen. Ich war ja nun schon rund eineinhalb Stunden vor dem Spiel im Stadion, aber ab einer Stunde vor dem Anpfiff wurde es dann echt merklich voll auf der Gegengeraden. Und das man eine Stunde den ersten Wechselgesang mit der Südkurve startet, würde ich auch mal als nicht so ganz alltäglich ansehen, wenngleich sowas natürlich trotzdem Standard werden darf. Ebenso wie das weitestgehende musikalische Schweigen der Lautsprecher vor dem Spiel, was die immer wieder aufflackernden Anfeuerungsrufe so lange vor dem Spiel sicherlich auch gefördert hat. Ich brauche keine Musik, um mich auf ein Spiel einzustimmen, für die Musik würde ich gerne zukünftig mit ein paar anderen Leuten gerne selbst sorgen, aka nun singt doch mal endlich und so. 😉 Jedenfalls macht so eine Spielvorbereitung mir viel mehr Spaß als dieses passive der Musik lauschen – ausserdem spart das dann auch noch GEMA – Gebühren und Strom und sowas. 😉

Hm, angeblich sollte der Platz ja in dem Fall, dass es schneien sollte, noch mit einer Plane abgedeckt werden, so war es jedenfalls vorab zu lesen. Abgedeckt war auch ein Stück vom Platz, nämlich der Mittelkreis. Und als da dann die Plane kurz vorm ersten Aufwärmeinlafen der Teams weggenommen wurde, war dann tatsächlich die von den Bremern vorher so herbeiredete Hügellandschaft zu sehen, waren doch mehrere Schneehoppel dort zu sehen, wo vorher die Plane lag – denn man liess den Schnee, der auf die Plane gerieselt kam, einfach auf dem Platz liegen.
Zum Glück hörte es dann zum Anpfiff des Spieles auf, so dass nochmal die Linien freigepustet werden konnten, was dem Bremer Trainer dann aber auch nicht zu gefallen schien, denn nun pöbelte er herum, dass die St. Paulispieler bei ihren Einwürfen ja mitten im Feld stehen würden – hätte man die Aussenlinien halt besser schneebedeckt lassen sollen, hehe. Anzumerken bleibt eigentlich jetzt nur noch, dass das Spielfeld bis etwa 2 Stunden vor dem Spiel eigentlich ok war, klar, es war gefroren, und sicherlich auch nicht im Optimalzustand, aber richtig kacke wurde es dann erst durch den heftig einsetzenden Schneefall kurz vor Spiel, aber eben halt nach der finalen Platzbesichtigung. Jetzt, mit mitlerweile 2 Tagen Abstand zum Spiel, muss man eigentlich zugeben, dass dann zum tatsächlichen Spielzeitpunkt wohl normalerweise wirklich nicht mehr hätte gespielt werden sollen, denn das war schon mehr ne Schneelandschaft als ein Fußballfeld… Andererseits soll der DFB da ja grade bei Amateurteams keine große Rücksicht nehmen, denn es spielen ja gerade deswegen auch Amateurteams im Pokal mit, damit sich die großen Teams auch mal bei einem niederklassigeren beweisen müssen – und das ist dann wohl auch der Grund dafür, dass Amateurteams halt bis zum Finale grundsätzlich Heimrecht geniessen – für alles andere gibt’s den Ligapokal, den UEFA- Cup und halt die Championsleague. DFB – Pokal ist Fußball, Rasenschach wird woanders gespielt. 😉

Und das sich bei Fußballspielen auch mal Spieler verletzen, muß auch ein Herr Schaaf nunmal akzeptieren, bei einem Zweikampf fällt ein Spieler auch ohne Schnee gelegentlich mal hin, und wenn sich dann der Arm im Fuß des jeweiligen Gegenspielers einharkt, kann es auch ohne Schnee genauso zu einer Verletzung kommen. So ne Verletzung ist sicherlich scheisse, grade wenn es einen Leistungsträger des jeweiligen Teams trifft, aber mit einem schneebedeckten Platz oder irgendwelchen imaginären Hoppeln hat das ja nun nichts zu tun – wenn das mit dem „immens höherem Gesundheits- und Verletzungsgefahren auf gefrorenem Platz und bei unserem hoppeligen Platz wirklich wahr wäre, würde St. Pauli ja nur noch mit einer Rumpftruppe spielen, kann also nicht so weit her sein mit diesem immensen Verletzungsrisiko und dem unverantwortlichem Skandal, dass auf diesem Platz en sogenanntes irreguläres Spiel stattfand – St. Pauli kam damit ja auch klar, verletzte sich nicht, und schoß drei Tore. Und da war nichts Zufall, nichtmal das dann tatsächlich irreguläre 1:1 – Ausgleichstor der Bremer sah so aus, als sei es nicht möglich, auf so einem Platz zu spielen – die kombinierten eigentlich zu dem Zeitpunkt ganz gut, und trotzdem war das ein Abseitstor. Hat sich der St. Paulitrainer eigentlich da auch so drüber echaufiert wie der von Bremen über die Platzverhältnisse?

Nein, dieses rumgenöle das ganze Spiel über, in jedem Interview, selbst dann, wenn eigentlich über das sportliche und den Einsatzwille geredet werden sollte, das kapuier ich einfach nicht, was das soll. Das Bremen unter Protest antritt, und diesen Protest vor dem Spiel formuliert – gut, angenommen, absolut in Ordnung, und – nun – auch nachvollziehbar, aber nicht nachvollziehbar ist es für mich, dass man das quasi als Entschuldigung für fehlende Einsatzfreudigkeit des eigenen Teams hernimmt, wie es Bremen getan hat. Da wird der gefragt, wieso St. Pauli denn auf diesem schlechten Platz so viel mehr Einsatz zeigen würde, und als Antwort wird dann gegeben, dass man auf diesem Platz ja nicht so Einsatzfreudig spielen könne, weil man ja gar keinen Halt finden würde. Nunja, St. Pauli braucht zum spielen scheinbar keinen Halt?!
So, da nun (am heutigen Freitag…. endlich!) meine Seite wieder geht, wenn auch nur mit einer lastoptimierten statischen, nur Text – Seite, werde ich nun wohl doch langsam zum Schluß kommen…

Jedenfalls kamen die echt klasse ins Spiel, schon direkt vom Anstoss aus gleich die erste Torchance, die wohl reingegangen wäre, wenn der Boden nicht so schlecht gewesen wäre, und dann eigentlich permament nen Tick schneller wie Bremen, das hatte schon was von vorgeführt werden, und entsprechend kuckten die Bremer Profis dann teilweise auch drein, als es in die Halbzeit ging.
Dass dann Hollerieth noch den Elfmeter hält, war natürlich dann die absolute Krönung, und hat den Bremern wohl dann den Rest gegeben – bei denen ging danach einfach nichts mehr, St. Pauli konnte sich im Mittelfeld die Bälle zuspielen und spielte gewissermassen geradezu bayerisch. Einfach traumhaft, wie wenig man noch zittern mußte, ausser den letzten 10 Minuten der ersten Halbzeit und dann vielleicht noch bis zum 2:1 für St. Pauli in der 2., danach ging echt nichts mehr. Als dann auch noch das 3:1 fiel – mein Gott, was schossen mir da alles für Gedanken durch den Kopf…. quasi die letzten 14(?) Jahre St. Pauli – immer hatte man den Traum, dass dieser Verein vielleicht doch irgendwann einmal irgendetwas vorzeigbares erreichen würde, und wenns nur ein Sieg gegen die großen Bayern ist- und nun steht man kurz vorm Gewinn des DFB – Pokals und der anschließenden UEFA – Cupteilnahme – dachte ich. Und ich dachte daran, wo wir denn dann eigentlich diese Spiele bestreiten sollen – und ob das Geld denn reichen würde, um vielleicht endlich mal das Stadion finanziert zu bekommen – und dann gegen Kickers Emden in einem neuen Stadion zu spielen – ja, genau, so wirr gingen meine Gedanken durcheinander, und gehen sie noch immer, ich weiß immernoch nicht, was ich eigentlich davon halten soll, daß St. Pauli im besten Fall nur noch 90 Minuten vom internationalen Geschäft entfernt ist… Was für ein irrwitziger Gedanke. St. Pauli erst gegen Kickers Emden, und in der darauffolgenden Woche steht dann das Heimspiel gegen Barcelone an, nech, wär doch was… Aber doch dann bitte nicht gegen Emden, ein Heimspiel gegen einen Zweitligisten sollte es in der Vorwoche dann schon sein, sonst dreh ich echt vollkommen am Rad – als Regionalligist im UEFA – Cup, das geht doch einfach nicht…

Aber jetzt muß sowieso erstmal die Regionalliga gerockt werden, auf einem vereisten Platz, und niemand wird sich drüber beschweren… hat ja auch mal was, nicht immer gegen Bayern2 spielen zu müssen… Mönsch, ich hatte so viele Symphatien für Bremen, und nun führen die sich wie die Bayern auf, die das heilige Millerntorgrün als Sturzacker bezeichneten .- und zuletzt dann ein Spiel verloren. Darf dann im April gerne wieder geschehen…. Hach, ich träum schon wieder… Hoffentlich nicht auch das Team, nicht dass das nach dem grandiosen, erneuten Erfolg gegen einen Bundesligisten plötzlich meint wie im Schlaf gewinnen zu können – Emden wird noch ne ganz harte Nuß – und muß weggerockert werden!

Leute, ich kann fliegen! Ich schwebe auf Wolken, mein vor Lachen breit gezogener Mund dient als Flügel, oder aber ich stehe einfach nur unter Glücksdrogen, was weiss ich.

St. Pauli lebt! DANKE!

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