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Schweigeprotest gegen Zerstückelung der Spieltage beim Dresden-Heimspiel

27. November 2018 | Von | Kategorie: Aktionen

Ultrà Sankt Pauli ruft für das kommende Heimspiel gegen Dynamo Dresden dazu auf, gegen die Termin-Zerhackstückelung zu protestieren und bittet daher die Fanszene darum, sich am Schweigeprotest (an dem sich auch die Dresdner beteiligen werden) während der ersten Halbzeit zu beteiligen. Den kompletten Protestaufruf hierzu findet ihr direkt bei denen oder hier dokumentiert, wenn ihr weiter lest.

Transparent mit der Aufschrift "Gemeinsam gegen Terminwillkür" vor der alten Haupttribüne vom Millerntor-Stadion, November 2001

Gemeinsam gegen Terminwillkür (Foto vom 24. November 2001).

Text im Original auf usp.stpaulifans.de/2018/11/protest-beim-heimspiel-gegen-dresden
Hallo St. Pauli-Fans!

Unser Heimspiel gegen Dynamo Dresden ist Teil eines Spieltages, der von den deutschen Fanszenen und verschiedenen Bündnissen zu einem Protestspieltag gegen die ausufernde Zerstückelung der Spieltage und die damit verbundenen Anstoßzeiten ausgerufen wurde. Die Ansetzung der Spiele richten sich seit geraumer Zeit nahezu ausschließlich nach Vermarktungs- und Fernsehinteressen und negiert die Interessen der Stadiongänger vollständig. In den meisten Stadien wird es in den ersten 45 Minuten des nächsten Spieltages sehr viel ruhiger als gewohnt zugehen – viele Kurven verzichten auf Support, in einigen Fällen werden viele Fans in der ersten Halbzeit aus Protest erst gar nicht ins Stadion gehen.

Aus verschiedenen Gründen sehen wir große Fanbündnisse bekanntlich oft kritisch und entscheiden selektiv über die Art unserer Teilnahme. In diesem Fall stehen die Aktionen aber in der Tradition dessen, was auf St. Pauli seit mehr als 20 Jahren geschieht: Protest gegen fanfeindliche Anstoßzeiten, vor allem gegen Spiele am Montagabend. Wir halten die organisierten Proteste vor dem Hintergrund der aktuell wieder vermehrt geführten Debatte um den „modernen Fußball” für genau richtig platziert und wichtig. Es ist noch lange nicht alles verloren! In der ersten Liga scheint das “Experiment” Montagsspiel bereits gescheitert und wird perspektivisch wieder abgeschafft.

Ziel des Protestes ist daher eine bundesweite Debatte in Fanszenen, Medien, Vereinsgremien und Verbänden rund um die Entwicklung, dass die Interessen von Fans immer eklatanter hinter den Interessen von Vermarktung und absurd überdrehter Kommerzialisierung des Fußballs zurückstehen. Eines der prägnantesten Beispiele ist hierbei nach wie vor der Montagstermin, der deutlich macht, dass die Fernsehvermarktung in den Augen der „Entscheider“ ohne jeden Zweifel die Interessen der Fans im Stadion überlagert. Analog der Schweigeproteste, die hier auf St. Pauli schon vor vielen, vielen Jahren als Protestform initiiert worden sind, werden die Stadien verstummen. Es ist ein Blick in die Zukunft des Stadionerlebnisses, sollte die aktuelle Entwicklung zu Lasten der Fans und deren Stadionerlebnis nicht gestoppt werden.

Genauso wie die Dresdner im Gästeblock werden wir daher die gesamte erste Halbzeit schweigen. Natürlich ist dies für uns ein schwerer Schritt! Wir lieben es, ins Stadion zu gehen, wir lieben es, in unserer Kurve und mit dem gesamten Stadion zu singen, aber wir sehen, dass all das, was wir lieben, bedroht ist und wir uns dafür einsetzen müssen. In diesem Kontext haben wir auch schweren Herzens die geplante Choreografie abgesagt. Ergänzend zu dem Willen, der Fernsehvermarktung nicht die bunten Bilder und das „Freudenhaus“ zu gönnen, steht in diesem Fall die öffentliche Debatte und das Wirken der Vereine innerhalb der DFL im Mittelpunkt. Wie alle anderen Fans und Initiativen möchten wir mit dieser drastischen Maßnahme Aufmerksamkeit auf das Thema lenken.

Das Ziel kann im Kontext der Spieltagsterminierung nur lauten, eine Abschaffung aller Spieltermine unter der Woche zu erreichen. Dies ist Schlagrichtung der aktuellen Proteste und daran werden wir teilhaben. Wir freuen uns auf die Teilnahme aller Fans, die ebenfalls über die Ignoranz der Verbände und ihrer mafiösen Fußballbonzen verärgert sind und dem Protest Raum geben.

Wir glauben weiterhin fest daran, dass ein anderer Fußball möglich ist! St. Pauli ist in diesem Fall vielleicht ausnahmsweise mal nicht die einzige Möglichkeit. Aber es ist unsere!

ULTRÀ SANKT PAULI

November 2018

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