Spiel gegen Rostock- Stellungsnahme vom Verein

16. August 2001 | Von | Kategorie: Berichte

Moin zusammen, da es nach dem vergangenen Spiel diverse Anrufe, Briefe, mails etc. gab, möchte ich hier versuchen, möglichst umfassend zu den verschiedenen Themenbereichen Stellung zu nehmen, auch wenn Sie nicht in mein Tätigkeitsfeld fallen. Ich werde diesen Text dann an diejenigen schicken, die mich/uns kontaktet haben und auch in die diversen Foren und mail-Verteiler setzen. So wundert Euch also bitte nicht, wenn Ihr evtl. den Versuch einer Antwort auf eine Frage erhaltet, die Ihr nie gestellt habt.

  • Kontrolle der Ermässigungsnachweise
    Es ist seit Jahren so gewesen, dass an den Eingängen stichprobenartig die Nachweise für Ermässigungen, also Studentenbescheinigungen, Schülerausweise, Zivildienstausweise etc. kontrolliert wurden. Als uns jetzt mehrfach zu Ohren kam, dass es Leute gibt, die sich extra und ausschließlich zum Dauerkartenkauf eine solche Bescheinigung besorgten, um in den Genuß einer Ermässigung zu kommen, ohne selbst zum Kreis der Berechtigten zu gehören, wurde der Ordnungsdienst angewiesen, diese mal etwas genauer zu kontrollieren.

    Nach Auskunft des Kartencenters wurde jedem Käufer einer Dauerkarte gesagt, dass am Stadioneingang auch der Ermässigungsnachweis vorzuzeigen ist. So, das Ergebnis war allerdings, dass der größte Teil der Besucher nicht im Besitz eines solchen Nachweises war oder ihn nicht dabei hatte. Die Folge waren endlose Diskussionen mit den Ordnern und im Zuge dessen lange Staus an den Eingängen. Erschwerend kam hinzu, dass viele Fans aufgrund des extrem schlechten Wetters erst sehr zeitnah zum Anpfiff kamen.

    Uns wurde nun von einigen vorgeworfen, dass wir diese Ausweise überhaupt kontrollieren. Was bleibt uns denn anderes übrig, um zu verhindern, dass sich die Leute nur für den Tag des DK-Verkaufs eine Bescheinigung „besorgen“ und damit für den Rest der Saison eine Ermässigung zu erhalten?

  • Übertragbarkeit der Dauerkarten
    Natürlich waren und sind die Dauerkarten übertragbar, aber natürlich die ermässigten DK auch nur an Personen, die ebenfalls „ermässigt“ sind.
    Um aber dem Umstand Rechnung zu tragen, dass man ja evtl. das Ticket auch mal an jemanden weitergeben möchte, der „in Lohn und Brot“ steht, haben wir gestern mit dem Kartencenter beschlossen, dass es ab dem Schalke-Spiel möglich (und nötig!) ist, eine „Ergänzungskarte“ zum Preis von DM 10,- zu erwerben.

    Dies gilt für alle Stehplätze und diese Ergänzungskarte wird am Stadioneingang beim Abknipsen der Dauerkarten eingezogen. Da es für Sitzplätze zu viele Preiskategorien gibt, ist es hier nötig, dass im Kartencenter eine extra Einzelkarte gelöst wird. Die Dauerkarte bleibt dann im Kartencenter und kann später wieder dort abgeholt werden.

  • Kontrollen an den Eingängen
    Immer wieder ein heisses Eisen. Es muss aber in aller Deutlichkeit gesagt werden, dass an den Südkurveneingängen sehr penibel durchsucht wurde. Dies wurde uns auch von der Polizei bestätigt. Es mussten sogar etliche Rostocker die Schuhe ausziehen. Bei diesen Kontrollen sind bspw. viele Batterien konfisziert worden, die ansonsten vielleicht geworfen worden wären.

    Dass bei diesen Kontrollen nicht zu 100 % alles gefunden werden KANN, sollte auch klar sein. Dies gilt besonders für das Rauchpulver. Dieses wird zumeist in kleinen Beutelchen ins Stadion geschmuggelt, versteckt in Socken, Brötchen und vielem mehr und später im Block zusammengeschüttet.

    Dass diese Kontrollen auch an bzw. vor den St.Pauli-Blöcken notwendig sind, verdeutlicht vielleicht der Umstand, dass alleine am vergangenen Sonntag nur an der Gegengeraden 16 (!) Messer sichergestellt wurden.

  • Sitzplatzbereich Blöcke 10/11
    Es ist nunmal so, dass wir als FC St. Pauli dem Gastverein 10 % aller Platzkategorien anbieten müssen. Den Leuten, die im letzten Jahr Dauerkarten im Block 11 hatten, wurde im Kartencenter gesagt, dass dieser Gästesitzplatzblock in der ersten Liga wohl immer recht voll (und laut) sein wird. Die Leute haben zum teil dennoch auf ihre Plätze bestanden und fordern jetzt eine Umsetzung. Nur wohin bitte ? Die anderen, vergleichbaren Plätze sind doch bereits verkauft.

    Und natürlich kann es in diesem Sitzplatzbereich dazu kommen, dass die Gastfans dort stehen und lauthals ihre Mannschaft anfeuern, gerade wenn der Stehplatzbereich ausverkauft ist. Das machen die St.Pauli-Fans auswärts genauso, vergl. letzte Saison Aachen, Bielefeld, Nürnberg, Mainz etc.pp.

    Nach Auskunft des Ordnungsdienstes und der Polizei waren am letzten Sonntag zu keiner Zeit St.Paulianer reell gefährdet. Dass man sich vielleicht nicht ganz so wohl fühlt, wenn neben einem 300 Gastfans stehen und ordentlich einen losmachen, ist verständlich, aber was wollen wir machen. Noch einen Hochsicherheitszaun?!?

  • Einsatz von Ordnern/Polizei IM Gästeblock
    Ein Einsatz in einem ausverkauften Stehplatzblock ist immer äusserst problematisch, da dann immer Panikreaktionen, Stürze etc. zu befürchten sind. Wenn also Rauchpulver gezündet wird, wäre ein solcher Einsatz wohl unzweckmässig und hätte Folgen, die keiner voraussehen kann. Wer will so etwas verantworten? Bei einer Schlägerei im Block ist das was Anderes.

    Was das Identifizieren der „Übeltäter“ betrifft, ist es so, dass die Ordner und/oder die Polizei sich die Leute merken (ggf. mit Hilfe der Kameras) und sich diese in der Halbzeit oder nach dem Spiel „greift“, ohne dass dies bspw. von der Gegengeraden aus sichtbar wäre. So war es übrigens auch nach dem Hertha-Spiel.

  • Einsperren der Gästefans in der Südkurve/Absperrungen im Viertel etc.
    Ganz heisse Nummer. Die Polizei sagt, dass das Einsperren der Gästefans in der Südkurve aus baulichen Gründen äusserst problematisch wäre und oft unkontrollierbare Folgen hätte (Auseinandersetzungen mit der Polizei, Überklettern der Absperrungen in den Innenraum/Mixed Zone etc.).

    Deshalb zieht man das Geleiten der Gästefans durch das Viertel Richtung Reeperbahn vor. Die Polizei sagt hierzu, die Erfahrung zeige, dass sich auf dem Weg zwischen Stadion und Reeperbahn zumeist die Spreu vom Weizen trenne. Soll heissen, dass sie später die relevanten Problemgruppen isoliert und somit besser im Auge hat.

    Hierzu eine persönliche Anmerkung von mir: In den letzten Wochen werden zu diesem Thema oftmals sehr populistische Forderungen vorgebracht, auch von Leuten oder Gruppen aus der St.Pauli-Szene, denen man eigentlich eine differenziertere Denkweise zugetraut hätte. Da ist oft zu hören, man solle die Gästefans „doch einfach“ in Busse stecken und „irgendwo hin karren“, „am Bahnhof abfangen“, „Zutritt verweigern“, „alle sofort einsperren“ und etliches mehr. Die eine oder andere Forderung ist aufgrund diverser Vorfälle vielleicht sogar diskussionswürdig, OK, doch gibt mir einiges zu denken.

    Zum Einen wird schnell verallgemeinert. Einige (wobei einige natürlich auch 200 von 2000 sein können) machen Mist. Die geforderten Massnahmen würden aber zweifelsohne alle treffen. Und zwar alle, die z.B. auf unterschiedlichsten Wegen nach Hamburg gelangt sind (was nützt es also, wenn ich jemanden in einen Bus sperre und zu Bahnhof bringe, dessen Auto beim Wal Mart steht?).

    Was mich stutzig macht ist die Tatsache, dass hier Massnahmen gegen Fussballfans gefordert werden, die wir vollkommen zurecht in anderen Stadien/in anderen Städten als überzogen, fanfeindlich etc. kritisieren. Ich denke, der FC St. Pauli und Hamburg als Ganzes stellt sich immer noch ganz gut damit dar, wenn wir nach Möglichkeit unsere Gäste auch als solche behandeln und der berühmten „Freizügigkeit“ einen gewissen Wert einräumen, das heisst, dass grundsätzlich erstmal jeder dahin gehen und ein Bierchen trinken kann, wohin er oder sie will.
    Kommt mir bitte nicht mit dem Argument, die St.Pauli-Fans seien ja alle so friedlich und deshalb sei das so nicht vergleichbar. Ich glaube, Ihr wollt gar nicht wissen, an wievielen Vorfällen in letzter Zeit St.Paulianer primär beteiligt waren, die man mitnichten als „Verteidigung“ bezeichnen kann und die dem Verein, Fankneipen und somit der gesamten Fanszene künftig noch sehr schaden können. Deshalb wäre dass ein Argument, was nach hinten losgehen würde. Ich hoffe, Ihr versteht, was ich damit meine und denkt mal darüber nach.

  • Parkplätze
    Während der Domzeiten steht uns nur äußerst eingeschränkt Parkraum zur Verfügung, der Parkplatz an der Schule nur Journalisten und den Sponsoren aus dem Kreis „Herz von St.Pauli“. Wir bitten um zukünftige Beachtung.

So, ich hoffe, ich habe nicht vergessen, konnte einige Auskünfte geben und vielleicht die eine oder andere konstruktive Diskussion auslösen. Bei weiterem Bedarf: sven.brux@fcstpauli.de
Viele Grüße aus der Bruthölle Geschäftsstelle

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