Stellungnahme des FC St.Pauli zu den Vorfällen während und nach dem Spiel gegen

14. März 2003 | Von | Kategorie: Offizielles

1) Gegen 20.35 Uhr kam es in der Gegengeraden/Ecke Südkurve zu einem Zwischenfall, der sich unserer Erkenntnis nach wie folgt abspielte: Nach einem nicht gegebenen Tor von Babacar N?Diaye wurde eine Vielzahl von Gegenständen, vor allem (gefüllte) Bierbecher in Richtung Innenraum geworfen. Bereits in der Vergangenheit hat der Verein deutlich gemacht, dass diese Unsitte nicht länger geduldet werden kann. Dementsprechend sind zwei dort postierte Ordner eingeschritten, um einen identifizierten Werfer des Stadions zu verweisen. Dieser setzte sich zur Wehr und wurde dabei von Umstehenden unterstützt. Hierauf entstand ein Handgemenge, die Ordner gerieten in Bedrängnis. Die einige Meter entfernt postierten Polizeibeamten entschlossen sich, dem Ordnungsdienst zu Hilfe zu eilen und gingen mit mehreren Beamten in den Zuschauerblock. Daraufhin, dies belegen die Videoaufnahmen eindeutig, wurden die Beamten von mehreren Zuschauern angegriffen, so dass sie sich zurückzogen. Selbst Sanitäter, die erkennbar versuchten, die Situation zu beruhigen, wurden wüst bepöbelt. Im Verlauf der Auseinandersetzung wurden nach Polizeierkenntnis von Zuschauern strafrelevante Delikte wie Körperverletzung, Landfriedensbruch und Beleidigung sowie diverse Verstöße gegen die Stadionordnung begangen. Entsprechende Strafanträge wurden von der Polizei gestellt. Hierzu stellt der FC St.Pauli klar:

Es kann nicht geduldet werden, dass Ordnungskräfte im Stadion angegriffen werden, weil Zuschauer verhindern wollen, dass eben dieser Ordnungsdienst seinen Aufgaben nachkommt. Da etliche Appelle in der Vergangenheit offensichtlich keine Früchte trugen, sieht sich der FC St.Pauli gezwungen, nun auch ggf. das Mittel des Stadionverbots anzuwenden.

2) Vor und während des Spiel wurde auf anonymen Flugblättern zu einer Demonstration aufgerufen, obwohl bereits vor dem Spiel bekannt war, dass sich die Vertreter der Stadt und der Bauwagengruppe Bambule auf eine Ersatzfläche geeinigt hatten. Auf den Flugblättern war neben der Forderung ?Platz her ? aber pronto!? zu lesen: ?RC Bambule gegen SR Team Green? sowie ?3.Halbzeit?. Diese Formulierungen erlauben unserer Meinung nach durchaus den Schluss, dass es den Verfassern weniger um das Vermitteln eines politischen Anliegens, denn um blinden Aktionismus ging. Dass zur Mobilisierung von Teilnehmern einer solchen ?Aktion? eine Fußballveranstaltung des FC St.Pauli genutzt wird, kann vom Verein nicht gebilligt werden. Den Initiatoren sollte Folgendes bewusst sein:
– Sie tragen durch den gewählten Zeitpunkt der Veranstaltung eine Mitverantwortung an den Vorfällen in der Nacht auf den 08.03. Ihnen sollte klar sein, dass durch die Teilnahme von angetrunkenen, zum Teil sehr jungen Fans die Durchführung einer geordneten Demonstration kaum möglich war.
– Der Fakt, dass durch die Ankündigung und Durchführung einer solchen nächtlichen Aktion und die daraus resultierenden Begleitumstände etliche unbeteiligte St.Pauli-Fans, Kiezbesucher und Anwohner in Mitleidenschaft gezogen wurden, kann ebenfalls nicht im Sinne der Initiatoren sein.
– Der FC St.Pauli befürchtet, dass durch solch blinden Aktionismus künftig die Heimspiele nicht mehr freitags stattfinden können und womöglich sogar der Ausschank alkoholhaltiger Getränke untersagt wird.

All dies kann sich in höchstem Maße schädigend auf Image und wirtschaftliche Situation des FC St.Pauli auswirken. Dem Verein können dadurch kurzfristige, relevante Umsatzverluste entstehen. Verhandlungen mit künftigen Großsponsoren, gerade aus dem Getränkesektor, würden dadurch mehr als erschwert.

Der FC St.Pauli steht in seinem Selbstverständnis weiterhin dafür ein, dass ein jeder im Zuge der Meinungs- und Demonstrationsfreiheit sein politisches Anliegen gewaltfrei auf der Straße äußern darf. Diese Gewaltfreiheit ist unabdingbar für alle Beteiligten. Es sollte jedoch die Frage erlaubt sein, warum unbedingt die Nächte nach Spielen am Millerntor als örtlicher und zeitlicher Ausgangspunkt dienen müssen. Wenn die zu Demonstrationen Aufrufenden von ihrem Anliegen überzeugt sind, sollte es doch möglich sein, die gewünschte Zahl an Teilnehmern an einer Demonstration auch an einem anderen Tag und/oder Ort zu mobilisieren und somit zu vermeiden, dass Unbeteiligte zu Schaden kommen.

Der FC St.Pauli appelliert dringend an die Urheber der vergangenen Aktionen, weiteren Schaden vom Verein abzuwenden und nach den Heimspielen lieber drei Punkte zu feiern, anstatt sich in unnützen Scharmützeln aufzureiben.

Wir werden auch weiterhin kurzfristig den Dialog mit Fans und Polizei suchen, um oben geschilderte Szenarien für die Zukunft vermeiden zu helfen.

Hamburg, den 13.März 2003
FC St.Pauli Pressestelle

5 Kommentare
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  1. anscheinend ist die polizei zu blöd die zuschauer zu kontrolliern

  2. Lassen wir die Vorfälle in der Nacht mal bei Seite. Es ist nicht zu billigen mit welcher Härte die Polizei in die Meckerecke eingedrungen ist. ich kann verstehen das sich der Ordner, denn es war zum Zeitpunkt der Eskalation nur einer, bedroht fühlte. Ich kann nicht bestätigen, dass mehrere Bierbecher flogen. Auslöser war definitiv nur einer und der war nicht mal zu 1/3 gefüllt. Dieser Bierbecher hatte auch nicht annähernd dies Chance das Spielfeld oder den gegnerischen Block zu erreichen. Der Typ, der den geworfen hat, der konnte gar nicht richtig werfen. In jedem Handballteam würde der auf der Bank sitzen!!! Ich kann nur sagen das Schlagstockeinsatz und Pfefferspray in der Meckerecke nicht geduldet werden, von niemand!!! Die Herren von der Polizei müssen sich nicht wunder, die Situation war eine ganz besondere. Schnallt denn keiner das wir fast abgestiegen sind, und der Penner von Schiri das Tor nicht gegeben hat! Wer konnte denn wissen, dass es noch jede Menge zu feiern gibt? Keiner! Und die Polizei und die Ordner auch nicht (höchstens Kirch/SAT1/Illuminaten...), Die schnallen überhaupt nix, es geht für uns um alles!!! In der ersten HZ. sind in der GG. auch Becher geflogen und da ist kein Ordner rein, mit Polizei als Deckung! Tja, und bei uns, wo Eltern mit Kinder stehen, da darf man schon mal rein hauen. Das war meiner Meinung noch das schlimmst, was ich am Millerntor erlebt habe (in den letzten 5-6 Jahren)! Bei dieser Härte wird es in der Meckerecke immer Widerstand gegeben. Wenn Herr Schill für Sicherheit sorgen will, dann bitte! Hätte eh nie gedacht ,das die Hamburger so blöde sind! Aber das Komando der Polizei soll sich gefälligst raus halten aus unserem Block. Die machen alles nur noch viel schlimmer. Hört Ihr mich: WIR STEHN NICHT AUF EUCH!!!!

  3. Dein Lamento ist an Dämlichkeit nicht zu überbieten.

    Sorg´doch lieber dafür, dass keiner etwas durch die Gegend wirft. Weder Bier, noch Golfbälle noch sonstirgendwas.

  4. Der FC St. Pauli ist für uns mehr als Fußball. wenn die Vereinsführung nicht in der Lage ist sich zu sozialpolitischen Mißständen im Viertel und in ganz Hamburg zu Verhalten, dann sollen Corny und Co wenigstens die Schnauze halten wenn andere das tun. Wollen wir doch mal sehen wer dem Verein im Falle der Regionalliga noch die Stange hält. Yuppiefans oder die geschmähten Fans aus dem Viertel. Die Bullen sollen gefälligst aus dem Stadion verschwinden, dann gibt es auch nicht mehr so eine Eskalation. Die ganzen aufgebauschten Sicherheitsmaßnahmen nerven eh unglaublich. Während die Gegengerade auf dem trockenen sitzt dürfen die Hardcore Hooligans der Gäste gemeinsam mit den Besserverdienenden St. Pauli Fans auf der Hauptribüne Bier bechern. St. Pauli macht sich zum Hündchen von Schill und Kollegen. Politische Fans werden dies nicht mitmachen.

    Meckerecke you never walk alone

    ein paar aus der gegengrade

  5. aber echt!

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